© 2019 Bernd Spauke netflix/RatPack Filmproduktion GmbH

Wir sind die Welle: Am Zeitgeist der Jugend

Egal ob das Buch, den Originalfilm oder die deutsche Neuverfilmung: Jeder kennt „Die Welle“. Seit November gibt’s mit „Wir sind die Welle“ nun auch eine Netflix-Serie zu der Geschichte und wir haben die beiden Hauptdarsteller Ludwig Simon (Tristan) und Daniel Friedl (Hagen) zum Interview gebeten.

Egal ob das Buch, den Originalfilm oder die deutsche Neuverfilmung: Jeder kennt „Die Welle“. Seit November gibt’s mit „Wir sind die Welle“ nun auch eine Netflix-Serie zu der Geschichte und wir haben die beiden Hauptdarsteller Ludwig Simon (Tristan) und Daniel Friedl (Hagen) zum Interview gebeten.

 

Cool: Habt ihr „Die Welle“ in der Schule durchgemacht oder wie habt ihr von der Geschichte erstmals mitbekommen?

Daniel Friedl: Ich erinnere mich noch an die Zeit kurz vorm Abitur, da haben wir in verschiedenen Fächern über die Thematik gesprochen. Mich hat es damals in vielen Gebieten sehr bewegt, da es mir Faschismus und die Gefahren politischen Fanatismus erlebbar machte. Ich frage mich heutzutage, was nicht 2008 sondern jetzt 2019 meine Erfahrungen wären, würde ich zum ersten Mal mich mit dem Originalstoff befassen.

Ludwig Simon: In meiner Schulzeit haben wir den Film und die Romanvorlage leider nicht behandelt, aber ich habe den Film zuhause gesehen. Er hat mich wahnsinnig bewegt und somit alles geschafft, was ein Film in meinen Augen erreichen kann: Er hatte eine unglaublich spannende Handlung und war dazu enorm inszeniert und gespielt. Also war es eine Riesenehre für mich ein Teil der Serie „Wir sind die Welle“ sein zu dürfen.

Cool: Warum habt ihr die Rolle angenommen?

Ludwig: Die Rolle des Tristan fand ich insofern sehr spannend, da er einen Wahnsinns Antrieb hat und Dinge tut wie er sie tut beziehungsweise auch wie er Konflikten entgegentritt und sie bewältigt. Das hat mich sehr inspiriert und meine Spiellust geweckt.

Daniel: Ich konnte erst gar nicht fassen, dass ich ausgewählt wurde. Ich bin ein junger Schauspieler und bei einer solchen Chance gab es nur Jubel und Freude. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich noch im Festengagement am Theater und musste meine Verfügbarkeit klären. Deswegen gab es im ersten Moment große Freude und dann einen riesigen „Verdammt, wie krieg ich das geregelt“-Gedanken (lacht). Zum Glück hat aber alles geklappt. Ein weiterer Grund war natürlich auch die Thematik. In der heutigen Zeit ist die Jugend viel politischer geworden in meiner Wahrnehmung. Diese Serie gibt manchen Ideen der Jugend vielleicht eine Plattform, über die sich diskutieren lässt.

Cool: Was macht „Wir sind die Welle“ so besonders?

Ludwig: Oh das ist eine große Frage mit vielen möglichen Antworten. Ich versuche es mal mit einer Metapher. Jedes Bild egal, ob es mit den gleichen Farben, Pinseln oder durch dieselbe Hand gemalt wird, wird letztendlich ein eigenes individuelles Kunstwerk sein und sich von allen anderen unterscheiden. Was ich damit sagen will, ist, dass jedes Projekt einzigartig ist. Was unser Projekt spannend macht, ist wahrscheinlich die Aktualität der Handlung und die Themen, um die es in der Serie geht. Unsere „Welle“ könnten auch Jugendliche aus der heutigen politischen Bewegung sein, welche aktuell ja enorm wächst.

Daniel: Erschreckenderweise ist „Wir sind die Welle“ so nah am Zeitgeist der Jugend dran, wie ich es sonst von keiner Serie oder keinem Film kenne. Aufgrund des veröffentlichten Trailers gab es auch bei den Usern im Internet Kommentare von „Das ist gewaltverherrlichend und links-grün-versifft, genauso wie Extinction Rebellion oder Fridays For Future“. Es gab aber auch viele Gegenstimmen zu solchen Kommentaren a la „Endlich mal eine Serie, die Fragen stellt.“ Natürlich werden bei solchen Kommentaren Fakten mit falschen Fakten vermischt, um Hass zu verbreiten, aber es zeigt wie unterschiedlich man den Stoff der Serie auffassen und interpretieren kann. Meiner Meinung nach, ist dies das Besondere an dieser Serie.

Cool: Bei uns in Österreich gab es letztes Jahr sogar eine Verurteilung, weil Schüler aus dem Burgenland „Die Welle“ nachgespielt haben…

Ludwig: Das ist natürlich krass. Ich glaube das Faszinierende ist, der Film lässt eine große Frage stehen und zwar, ob das behandelte Experiment so heute wirklich noch möglich ist. Ich wette da gab es auch viele gute Diskussionen, die entstanden sind, direkt nachdem die Leute den Film gesehen hatten. Vielleicht hat diese Gruppe keinen mittleren Weg in der Unterhaltung gefunden mit dem sie sich zufrieden stellen konnten und hat es deshalb selbst versucht. Aber das kann ich natürlich nur vermuten.