© Danny Jungslund

Julian le Play: „Österreichische Musik war lange Zeit uncool!“

Am 17. April 2020 erscheint Julian le Plays neues Album „Tandem“. Wir haben den heimischen Popstar deshalb zum Interview getroffen.

Am 17. April 2020 erscheint Julian le Plays neues Album „Tandem“. Wir haben den heimischen Popstar deshalb zum Interview getroffen.

Cool: Seit deinem letzten Album sind vier Jahre vergangen. Hast du die Pause gebraucht?

Julian le Play: Es war jetzt nicht geplant, aber ich hab die ersten drei Alben in sehr kurzer Zeit rausgeknallt. Ich schreibe ja alles selbst, produziere sehr viel mit, dadurch war das eine sehr intensive Zeit. Irgendwann ging es nicht mehr, mein Kopf hat sich dagegen gewehrt neue Songs zu schreiben und meinte so: ‚Leb mal ein bisschen!‘. Ich bin dann viel gereist, war auf Sri Lanka und Bali, hab Freunde getroffen und so ist auf natürliche Weise die Lust zurückgekommen. Und jetzt bin ich wieder da (grinst).

Cool: Du hast dich schon im Vorjahr mit „Millionär“ zurückgemeldet, einem Radiohit, der jedoch gar nicht nach dir klingt. Werden wir auf dem neuen Album einen moderneren Julian le Play zu hören bekommen?

Julian: Modern ist immer so eine Definitionsfrage, aber ja, es wird einige Lieder geben, die elektronischer und „beatiger“ sind und auf denen ihr mich anders singen hört. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich das neue Album erstmals nicht alleine geschrieben habe, sondern mal ausprobieren wollte, wie es ist, mit andern Musikern und Songwritern zusammenzusitzen, die vielleicht auch einen ganz anderen Sound machen, und gemeinsam Songs zu produzieren. Das hat mir Riesenspaß gemacht und bei „Millionär“ ist es ja beispielsweise auch so, dass ich die zweite Strophe fast rappe, also das Album wird sehr bunt.

Cool: Seit deinem letzten Album ist in der österreichischen Musikszene richtig viel passiert. Du warst für lange Zeit einer der wenigen heimischen Popstars im Radio, mittlerweile gibt es mit Mathea, Folkshilfe, Zweikanalton, Lisa Pac, Josh, Avec und und und unglaublich viel österreichische Musik zu hören. Wie hast du diese Entwicklung miterlebt?

Julian: Stimmt, als ich begonnen habe, war ich einer der wenigen, vor allem der auch deutsch gesungen hat. 2012 waren ja noch nicht mal Bilderbuch, Wanda oder Seiler & Speer erfolgreich, die gab es teilweise noch nicht mal. Es ist schon verrückt, wenn ich darüber nachdenke, aber die Entwicklung ist wahnsinnig cool. Es kommt so viel österreichische Musik aus allen Ecken und Genres und das alles ohne Neid. Es gibt einen richtigen Zusammenhalt zwischen all den Künstlern und das finde ich richtig schön. Und das Beste ist, dass es nicht nur viel heimische Musik gibt, sondern dass diese Musik auch gerne gehört wird. Es war ja lange Zeit so, dass die Leute österreichische Musik eher uncool fanden und das hat sich total gewandelt.

Cool: Für dein letztes Album bist du „geflüchtet“ und hast es auf Reisen geschrieben, das neue Album ist hingegen in den Tiroler Bergen auf einer Hütte entstanden. Back to the roots?

Julian: Ich brauche für jedes Album etwas Neues und bin damals deshalb in Städte gereist, die ich noch nicht kannte. Diesen Kick gaben mir diesmal eher die Leute, die mit mir auf der Hütte waren, denn wie gesagt, ich hatte zuvor noch nie gemeinsam Songs geschrieben. Aber auch die Tiroler Berge waren unheimlich inspirierend.

Cool: Gibt’s eine lustige Anekdote von der Berghütte?

Julian: Es gibt eine Geschichte, die finde zumindest ich lustig (lacht). Es gibt natürlich auch Tage an denen einem nichts einfällt und deshalb haben wir beschlossen, das Kartenspiel „Halli Galli“ zu spielen. Wir haben uns da dann so reingesteigert, als wäre es das Wichtigste auf der Welt. Der Verlierer musste eine Stunde am Boden liegen und die Füße in den schmutzigen, verrußten Kamin halten. Ich habe verloren, aber ja, sowas haben wir da oben gemacht (lacht).