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Tag der Behinderung

Wir fordern mehr Akzeptanz und Respekt gegenüber Behinderten: Unser Bericht mit dem Grazer Rollstuhlfahrer Christian Grübl.

Am vergangenen Samstag, dem 3. Dezember, war „Tag der Behinderung". Christian Grübl, Mitarbeiter der Mosaik Bibliothek in Graz, hat an diesem Tag vermutlich nicht viel darüber nachgedacht, sondern sich viel eher über die Patzer der vier Top-Mannschaften der österreichischen Fußball-Bundesliga gefreut. Am darauffolgenden Sonntag musste er sich dann allerdings ärgern, denn sein Verein, der SK Sturm Graz, hat beim Auswärtsspiel in Innsbruck gänzlich versagt. Warum wir euch das erzählen? Weil Christian ein ganz normaler 25-Jähriger ist.

Rollstuhlfahrer – Na und?

Die Gesellschaft sieht das allerdings anders, denn er sitzt im Rollstuhl. Es wird geglotzt, geschimpft und bemitleidet – dabei wünsche er sich nichts anders, als ganz normal und mit dem nötigen Respekt behandelt zu werden. „Vor ein paar Jahren waren wir mit einer Gruppe am Faschingsumzug. Ein Mann ist zu uns hergekommen und meinte: ‚Was macht´s denn mit den Behinderten da, geht´s wieder heim.´ Dieser Satz tut mir heute noch weh", erzählt Christian. „Besonders bei älteren Leuten fällt mir wiederum auf, dass sie oft in der dritten Person über mich reden, so im Sinne von: ‚Mei ist der Bub arm´. Da muss ich mich dann echt zusammenreißen. Ich sitze im Rollstuhl, aber ich bin nicht dumm!"

„Ich bin doch kein Außerirdischer"

Eine Million Österreicherinnen und Österreicher haben eine dauerhafte Bewegungsbehinderung, 50.000 davon fahren Rollstuhl. 580.000 Menschen haben mehrfache Behinderungen und 85.000 eine mentale Beeinträchtigung – insgesamt sind sogar 1,6 Millionen unserer Landsleute von Behinderungen betroffen, eine Zahl die in etwa der Einwohnerzahl Wiens entspricht. Nichtsdestotrotz blicken viele Leute auf ihre behinderten Mitbürger herab. „Ab und zu denke ich mir: Warum schaut der so komisch – ich bin doch kein Außerirdischer! Ich wünsche mir, dass die Leute uns Menschen mit Behinderung so akzeptieren wie wir sind. Ich fühle mich selbst nicht als behindert - ich bin ein Mensch wie jeder andere", sagt Bibliothekar Christian abschließend. Solltet ihr ihm in den nächsten Tagen vielleicht mal in Graz begegnen – mit ÖAMTC- und Sturm-Graz-Pickerl am Heck seines Rollstuhls ist er unübersehbar – dann sagt einfach: „Das war ein Dreckskick am Sonntag oder?" und verzichtet auf alles andere.

Foto: © Pressefoto