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Saturday Night Fever

Ruhm ohne Zukunft: Wer will Molti, Spotzl, Pichler und Eigi nach dem Ende der ATV-Show?

Haberer oder Kleschn? "Saturday Night Fever" ist längst ein TV-Phänomen, das hormongetriebene Vorzeige-Discoknaller wie Molti, Spotzl und Co. auf primitivem Weg zu Quotengaranten gemacht hat.

Ihr Frauenbild ist alles andere als von Alice Schwarzer geprägt. Ihr Vokabular scheint mehr als überschaubar. "Es gibt keine schiachen Weiber, es gibt nur zu wenig Alkohol", lallt die ATV-Kultcombo in die Kamera. Die Mädchen entgegnen tapfer: "Die sind total liab, machen einen total netten Eindruck." "Saturday Night Fever" spult gerade seine fünfte Staffel ab und ist nach wie vor primitiv, nicht unbedingt sympathisch, teilweise beängstigend und doch erstaunlich erfolgreich. Eine Sendung, für die man sich zu Recht genieren kann. Zumindest als Zuschauer. Denn die Hauptakteure Michael "Eigi" Eigenbauer, Michael "Molti" Molterer, Patrick "Spotzl" Langegger, und Patrick "Pichla" Pichler haben keinen Genierer, dafür aber fast 40.000 Facebook-Friends. "Ich glaube, die Leute können sich immer mit einem von uns identifozieren, weil wir vier total verschiedene Menschen sind", meint Spotzl. „Der Spotzl ist der Romantiker, der immer die Frauen aufreißt, der Pichla gibt immer Vollgas, der Eigi gibt auch immer Vollgas und ich bin der mit den Macho-Sprüchen", fügt Molti hinzu. "Was macht ihr eigentlich beruflich?" Schwierige Frage. Selbstständig. Aha. Die St. Pöltner Clique wohnen zwar teilweise noch bei ihren Eltern, ihre Handwerksberufe haben sie aber inzwischen hingeschmissen. Jetzt verdienen sie ihr Geld freischaffend – mit Saufen, Schmusen und Kotzen vor der TV-Kamera. Statt Elektriker sind Spotzl und seine Gang nun Entertainer, die literweise Wodka kippen und für diese "Kunst" gebucht werden. Bei der Arbeit wollen die zuletzt über 250.000 Zuseher die Burschen anscheinend sowieso nicht sehen.

Quo vadis?

"Ich habe weder einen Titel noch sonst irgendwas, auf das ich stolz sein kann. Ich hab nix erreicht. Ich hab nur auf Gaudi gemacht, und dass das auch zum Erfolg führen kann, hat niemand geglaubt", erzählt Molti. Über die Zukunftsperspektiven nach "Parkplatz-Brunzen" und "Fotzen-Glotzen" macht sich scheinbar keiner der Vier ernsthaftere Gedanken. Aber beim Fernsehen, da würden sie schon gerne bleiben. Vielleicht sogar mal nüchtern. Den Herrschaften schwebt schon länger ein Format alla "TV Total auf Österreichisch vor". "Alle glauben ja, wir sind deppat und haben keinen Beruf gelernt, das ist ein Blödsinn. Wir haben alle abgeschlossene Berufe, wir sind ja nicht deppat. Wir machen einfach nur was uns Spaß macht. Man verkennt das immer, Spaß haben und dumm sein, das ist ein Unterschied", rechtfertigen sich die Jungs. Molti: "Komischerweise habe ich von drei Porno-Produzenten schon Anfragen bekommen. Aber das geht nicht, das ist eine Grenze, das ist nicht notwendig, das soll jemand anderer machen." Bedenken vor künftigen Bewerbungen abseits der Kamera? Nicht vorhanden. "Wir sind schließlich die aufrichtigsten Kinder, die es gibt. Wir zeigen uns allen, auch unseren Eltern, so, wie wir sind." "So lange es geht" wollen Akteure und Sender Kapital aus dem Format schlagen. Eine deutsche Version von "Saturday Night Fever" mit trinkfesten Jugendlichen in Landdiscos wird zum Beispiel gerade von RTL 2 vorbereitet. Auch in der fünften Staffel rittern Unterhaltungwert und Fremdschäm-Faktor Kopf an Kopf. Dass "SNF" im selben Jahr startete, in dem "Fremdschämen" zum Wort des Jahres gewählt wurde, kann kaum Zufall sein.

Foto: © KK