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Webxklusiv: Blumentopf

Wir haben mit der legendären, deutschen Hip-Hop-Gruppe gesprochen.

Seit zwanzig Jahren stehen die vier Rapper Cajus, Bernhard, Florian und Roger sowie DJ Sepalot schon gemeinsam auf der Bühne. Blumentopf steht für eine einzigartige Mischung aus tiefgründigen Texten und eine gute Portion Humor und brachte am vergangenen Freitag ihr insgesamt siebentes Album auf den Markt. Wir haben mit den fünf Bayern gesprochen.

Cool: Servus sagt man bei uns in Österreich. Wie geht’s euch?

Blumentopf: Danke. Wir fahren gerade zum nächsten Termin und machen jetzt mit euch ein Interview, also es ist alles gut.

Cool: Ihr habt nicht nur gerade ein neues Album am Start, sondern feiert in diesem Jahr sogar euer 20-jähriges Bühnenjubiläum. Macht euch das stolz, vor allem als  Teil des schnelllebigen Hip-Hop-Geschäfts?

Blumentopf: Natürlich gibt es Künstler bei denen die Karriere nur von kurzer Dauer ist, aber es gibt auch in der Hip-Hop-Szene sehr viele Gegenbeispiele. Es fühlt sich auf jeden Fall sehr gut an, dass wir zur zweiten Kategorie zählen. Es ist toll auch nach zwanzig Jahren immer noch Musik machen und davon leben zu können und zu sehen, dass immer noch Leute zu unseren Shows kommen und auch für unsere Alben noch eine Nachfrage besteht. Das ist auf jeden Fall ein großes Geschenk.

Cool: Ihr seid schon fast auf dem Weg ein zweites Fanta 4 zu werden (lacht).

Blumentopf: Was die Länge unserer Karriere betrifft auf jeden Fall, aber es gibt auch noch andere Künstler, die ähnlich lange wir dabei sind.

Cool: Stichwort: Die Fantastischen Vier. Die Jungs machen mittlerweile schon zum zweiten Mal ein "MTV Unplugged". Blumentopf ist für seine Live-Qualitäten ebenfalls sehr bekannt. Würdet ihr denn das auch gerne mal machen?

Blumentopf: Auf jeden Fall. Das ist für jede Band der totale Hammer, wenn man das machen darf und dazu eingeladen wird. Das wäre natürlich ein Traum.

Cool: Ihr seid sehr vielen Leute vor allem durch die "Raportagen" bekannt, die ihr bei den letzten Fußball-Welt- und -Europameisterschaften für das ZDF produziert habt und habt dadurch ein vollkommen neues Publikum gewonnen. Ihr macht mit Blumentopf dadurch plötzlich einen Spagat von den Teenies bis zu den Pensionisten. Habt ihr dafür eine Erklärung?

Blumentopf: Das ist wirklich schwer zu sagen. Vermutlich liegt das irgendwie schon an uns Typen, dass wir den Spagat geschafft haben. Wir machen schon sehr lange Musik und machen sie beispielsweise jetzt nicht um zu provozieren. Es gibt viele, die gewisse Hörerschaften ausgrenzen wollen und sagen: Ich mache die Musik nur für die oder für den und will damit niemand anderen ansprechen. Wenn wir Musik machen, dann wollen wir, dass alle, die Bock draufhaben, sich damit identifizieren können. So Songs wie „Manfred Mustermann“ (Anmerk.: aus ihrem Album "Gern geschehen", 2003) sind natürlich für jeden was. Für alle Altersschichten und für alle Leute. Und das kann man natürlich nur machen, wenn man als Band auch offen ist. Aber natürlich ist das auch Glück, dass Menschen, die jetzt mit Rap nichts am Hut haben, sagen, dass sie das Raportagen-Ding so gut finden, dass sie sich mit dem Medium etwas mehr auseinandersetzen. Das liegt aber wie gesagt an unserem Humor, an unseren Texten und wie wir das machen.

Cool: Kommen wir zu eurem neuen Album "Nieder mit der GbR". Was hat es mit diesem Titel auf sich?

Blumentopf: Da geht es darum, dass wir eigentlich eine GbR sind. (Anmerk.: Gesellschaft bürgerlichen Recht in Deutschland). Also um die gesetzliche Geschäftsform. Weil wir geschäftlich in einer Gruppe etwas machen sind wir eine GbR, aber wir sind natürlich auch eine Band. Wir sind lieber die Band Blumentopf und uns nervt eigentlich alles was mit dem ganzen Business-Kram zu tun hat. Wenn du irgendwelche Sachen unterschreiben und einen Haufen Termine abgleichen musst, dann kann einem das schon manchmal die Stimmung verderben. Der Titel besagt daher: Nieder mit der GbR, also nieder mit der geschäftlichen Seite des Musikmachens. Wir haben uns aus dem ganzen Zeug rausgehalten und haben einfach wieder nur Musik gemacht, was uns beim letzten Album beispielsweise sehr schwer gefallen ist, weil wir damals die Plattenfirma und das Management gewechselt haben und solche Sachen.

Cool: Die Produktion vom neuen Album hat euch also wieder mehr Spaß gemacht?

Blumentopf: Das kann man auf jeden Fall so sagen. Also noch so eine Platte wie "Wir" (2010) wollen wir von der Produktionsart, also, dass uns von außen irgendwas aufgedrückt wurde und wir uns nebenbei um so viele Dinge kümmern mussten, nicht noch einmal machen. Es war uns daher extremst wichtig, dass wir einfach Spaß haben und wir nicht mit irgendwelche Fragen, die wie ein Damoklesschwerter über unseren Köpfen geschwebt sind, ins Studio gehen müssen.

Cool: Was können eure Fans von dem Album erwarten?

Blumentopf: Also wenn man sich das Album anhört und man sehr viel Blumentopf hört und seit unseren Anfängen mit dabei ist, wird man erkennen, dass die Platte von der ganzen Klangästhetik und vom Vibe her, schon an unsere ersten Alben anknüpft. "Eins A" (2000), "Großes Kino" (1999), "Kein Zufall" (1997). Blumentopftypisch sind sehr kritische Songs mit dabei, aber auch viele Geschichten… aber der Fan weiß eigentlich was ihn erwartet. Es ist einfach ein Blumentopf-Album geworden.

Cool: Gut und was können all jene erwarten, die vielleicht noch kein Blumentopf-Album zuhause haben, aber sich aufgrund der Raportagen gerne eines zulegen würden?

Blumentopf: Die beste und fetteste Hip-Hop-Musik, die man sich auf dem Markt holen kann (lachen). Geschichten, Texte, die auf mehreren Ebenen funktionieren… unsere Musik einfach. Das ist schwer zu erklären, für Leute, die sich gar nicht damit beschäftigen. Jeder der sich mit Rap beschäftigt, hat uns bestimmt schon mal gehört und die, die das nicht haben, haben etwas verpasst (lachen).

Cool: Eure aktuelle Single "Bin dann mal weg" ist wirklich eine schöne Nummer. Was hat euch zu dem Song inspiriert?

Blumentopf: Die Grundideen sind eigentlich zwei Sachen: Dieses Gefühl, dass man genug hat und eine Veränderung oder eine Pause braucht, um vielleicht mal etwas anderes zu sehen und der Ausbruch aus einer Beziehung, also einfach mal Tschüss sagen und etwas beenden. Das funktioniert mit dem Instrumental und mit dem Gesang sehr gut und ist dadurch ein sehr intensiver und gefühlvoller Song geworden, der in unseren Ohren sogar die stärkste Single ist, die wir jemals gemacht haben.

Cool: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Pohlmann gekommen? Eigentlich würde man ihn mit Hip-Hop ja nicht wirklich in Verbindung bringen…

Blumentopf: Ja, aber das war uns eigentlich schon immer ziemlich egal. Wir haben ihn beim Jubiläumskonzert von Clueso kennengelernt und waren dort gemeinsam auf der Bühne. Wir haben gefreestylt und er hat gesungen und da haben wir gesehen, dass er keine Berührungsängste hat. Er hat eine Hammerstimme und eine tolle Art zu singen und wir wussten, dass wir für den Song einen richtigen Sänger haben wollen – zunächst hatte den Chorus Cajus gesungen – und wir wussten der Pohlmann ist cool und würde auch als Typ perfekt passen und dann haben wir das gemacht. Allerdings war es nur ein E-Mail-Ding, wir haben das Lied also leider nicht gemeinsam mit ihm aufgenommen.

Cool: Letzte Frage: Was sagt ihr als alte Hasen des Raps eigentlich zur aktuellen Hip-Hop-Szene in Deutschland? Früher war vor allem Gangsterrap sehr populär, aktuell werden hingegen eher poppigere Künstler wie Cro und Marteria gefeiert. Wie gefällt euch diese Entwicklung?

Blumentopf: Das sind ja eigentlich schon wieder zwei komplett unterschiedliche Sachen, die du da genannt hast. Uns geht’s in erster Linie darum, dass etwas passiert und dass in der Szene etwas weitergeht. Ich finde man sollte keine Berührungsängste vor anderen Genres haben. Wenn man sich Cro und Casper ansieht, die einen Sound machen, der dem ganzen Hip-Hop-Ding so viel bringt, weil sie das Ganze in so viele neue Richtungen öffnen und ganz viele neue Einflüsse hineinbringen, dann ist das einfach super, dass es sie gibt und neben – blöd gesagt – Studenten-Rap und Gangsterrap jetzt auch Emo-Rap und Party-Rap von Cro existieren. Also wir feiern das eigentlich schon extrem, dass jetzt wieder positivere Musik in den Fokus gerückt ist.

Cool: Stimmt, weil eine Zeit lang – im Kommerzbereich – vor allem nur Leute wie Sido und Bushido gefragt waren…

Blumentopf: Ja, allerdings muss man auch sagen, dass es für die Jugendlichen oder die Leute, die sich wirklich für Rap interessieren, schon immer auch Alternativen gab. Es gab immer andere Sachen und die wird es auch immer geben und da waren auch immer Hammersachen mit dabei.

Cool: Zum Beispiel Blumentopf, die es schon seit zwanzig Jahren gibt und bei denen man immer weiß was man bekommt.

Blumentopf: Das klingt jetzt wie ein Werbespruch für ein ganz schlimmes Produkt (lachen). Als wären wir die Hip-Hop-Spiegeleier, bei denen man immer weiß man hat (lachen). Wir sind auf jeden Fall eine Band, die nicht wie die anderen klingt, sondern eben wie Blumentopf. Diese Formulierung gefällt uns besser (lachen).

Foto: © Christoph Neumann

Blumentopf feat. Pohlmann

Musikvideo: "Bin dann mal weg"