Home > Interviews > Sportfreunde Stiller >

 

Sportfreunde Stiller

Stiller, aber kein bisschen leiser!

Die Sportfreunde Stiller im Interview über das Altwerden und ihr neues Album. Sechs lange Jahre mussten wir auf ein neues Studioalbum der Sportfreunde Stiller warten, Redakteur Daniel auf sein Interview mit Frontmann Peter Brugger immerhin auch eine ganze Stunde.

Peter: Bitte entschuldige die Warterei, aber ich kann euch dafür eine Exklusiv-Story anbieten. Ich glaube nämlich, dass Rüde mit Uli Hoeneß ins Ausland geflüchtet ist (lacht).

Cool: Nach dem "MTV Unplugged"-Album habt ihr eine kreative Schaffenspause eingelegt. War diese jetzt lang genug?

Peter: Nach unserer letzten Tour 2010 wollten Flo und Rüde eigentlich weitermachen, aber ich habe eine Pause benötigt und daher wirklich ein Jahr lang Energie getankt und gefaulenzt. Die anderen beiden haben trotzdem gearbeitet. Rüde hat eine Platte für Fiva MC produziert und Flo hat seinen zweiten Roman fertiggeschrieben. Im letzten Jahr haben wir uns dann in Österreich auf eine Berghütte zurückgezogen und dort entschieden, dass wir eine neue Platte machen.

Cool: Was habt ihr euch für das neue Album vorgenommen?

Peter: Wir wollten auch mal etwas Neues ausprobieren und Grenzen ausloten. "Let’s did it" geht beispielsweise in eine Electro-Richtung und dann gibt es mit "Festungen und Burgen" wiederum ein sehr intimes Lied, wo es um innere Verletzungen und Schmerzen geht.

Cool: Ich kann mich noch gut erinnern als Raubkopien von "So wie einst Real Madrid" über meinen Schulhof gingen, das ist 13 Jahre her…

Peter: Unfassbar! Erst kürzlich, als wir mit der neuen Platte fertig waren, haben wir uns gedacht, dass es unglaublich ist, dass es uns immer noch gibt. Das ist alles andere als selbstverständlich, sondern ein Riesengeschenk. Wir sind dafür sehr dankbar.

Cool: Mittlerweile seid ihr alle um die 40, werden die Sportis langsam erwachsen?

Peter: Das Lied "Unter unten" bestätigt das Gegenteil (lacht). Wenn wir in unserer Dummheit aufgehen, werden immer auch solche Nummern entstehen. Auf Tour sind wir wie eine Schulklasse beim Ausflug. Aber natürlich gibt es auch viele Themen über die wir vor ein paar Jahren noch nicht schreiben hätten können, wie eben beispielsweise "Festungen und Burgen". Uns war es nicht wichtig erwachsen zu klingen, sondern einfach die Themen, die uns beschäftigen auf dem Album unterzubringen. Es muss einfach stimmig sein.

Cool: Das Leben ist auch nicht einseitig…

Peter: Eher das totale Gegenteil. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich manchmal mit dem Gefühl aufwache, die Welt einreißen zu können und dann macht’s peng und man ist depressiv. Das ist aber auch das Schöne am Leben.

Cool: Eine deutsche Tageszeitung titelte zuletzt dennoch mit "Sportfreunde Spießer". Ärgert euch so etwas?

Peter: Arschlöcher (lacht). Spießigkeit betrachtet wahrscheinlich jeder anders. Für mich ist es wichtig, dass ich offen bleibe und mir unterschiedliche Meinungen anhöre und mich nicht in mein persönliches, komisches Loch eingrabe. Das wäre für mich spießig, also wenn man nur seinen eigenen Film fährt, und das ist bei uns definitiv nicht der Fall.

Foto: © Gerald von Foris