© Annika Yanura

Esther Graf: Main Character Energy

Ende Juni erscheint „wofür es sich zu leben lohnt“, das lang ersehnte zweite Studioalbum von Esther Graf – und ihre Fans dürfen sich auf viel Neues freuen. Wir haben mit Esther in Wien über ihr neues Album, die Fußball-WM und das Leben geplaudert.

Ende Juni erscheint „wofür es sich zu leben lohnt“, das lang ersehnte zweite Studioalbum von Esther Graf – und ihre Fans dürfen sich auf viel Neues freuen. Wir haben mit Esther in Wien über ihr neues Album, die Fußball-WM und das Leben geplaudert.

 

Cool: Am 26. Juni erscheint dein zweites Studioalbum „wofür es sich zu leben lohnt“ – wie viel von der Esther, die wir schon kennen, ist da drauf und was ist neu?

Esther Graf: Gute Frage! Es sind auf jeden Fall viele Songs dabei, die bisherige Fans von mir feiern würden. Aber ich war bei dem Album zum ersten Mal an einem Punkt, wo ich mir gedacht habe: Hmm jetzt bin ich mal gespannt, was ich hier jetzt singe. Bei den letzten Malen hatte ich nämlich immer noch so viel zu erzählen (lacht) und diesmal war es das Gefühl, dass schon einige Songs von mir draußen sind. Deshalb habe ich so ein bisschen eine neue Seite von mir gezeigt. Die Musik ist musikalischer und ich selbst bin auch erwachsener geworden.

Cool: Auf dem Artwork sieht man dich lachen und weinen gleichzeitig. Wie dürfen wir das verstehen?

Esther: Ich liebe das Albumcover! Ich hab lustigerweise auch schon ganz viel positives Feedback bekommen, auch von anderen Artists, das hat mich total gefreut! Ich hatte den Wunsch, was Besonderes zu machen, und bin dann auf Freudentränen gekommen. Dann hab ich mal gegoogelt, ob es sowas schon gibt. Ne, noch nicht! Da war ich so: Ey, ich glaub, das ist es einfach! Es sind am Album nicht nur happy Songs drauf, sondern auch traurige Dinge, die das Leben auch lebenswert machen. Daraus hab ich gelernt, weil es echt war, weil es intensiv war. Da waren die Freudentränen dann so die Mitte für mich. Ich hab gehofft, dass es funktioniert und authentisch ist und bin sehr zufrieden mit dem Endergebnis.

Cool: Welcher der Songs bedeutet dir besonders viel?

Esther: Es gibt zwei Songs, die tatsächlich beide noch nicht draußen sind, aber ich erzähl es euch trotzdem schon mal kurz. Ein Song heißt „nach hause“. Da zeige ich eine verletzlichere Seite von mir. Es geht darum, dass ich super dankbar bin, dass ich der Mensch sein darf, der ich bin, dass ich diesen Job machen darf, aber dass es auch sehr anstrengend sein kann. Ich ziehe immer krass durch, habe aber gemerkt, dass ich irgendwo dann auch an meine Grenzen kommen. Da sagt der Song, dass ich gerade einfach nur nach Hause will, um mich zu erinnern, wer ich bin. Und der andere Song heißt „Kleinstadt brennt“. Ich war ja ein Internatskind, war ab der 5. Klasse BORG in einem Schülerheim und hatte da die geilste Jugend! Für diese Zeit habe ich den Song geschrieben.

Cool: Was stresst dich bei so einem Album-Release am meisten?

Esther: Der allergrößte Stress ist zum Glück rum, weil ich das Album endlich abgegeben hab! Jetzt ist es unveränderbar und das finde ich at this point gut, denn es hat sich sehr lange gezogen und ich habe auch auf den letzten Metern noch richtig geschwitzt. Was ich sehr stressig an dem Job finde, ist, dass man so viele Sachen gleichzeitig machen muss. Ich tue mir sehr schwer, kreativ zu sein und gleichzeitig „Orga-Sachen“ zu machen. Deshalb finde ich es jetzt gut, dass die Abgabe abgeschlossen ist und ich mich voll auf den Release, die Content-Produktion und die Promo konzentrieren kann.

Cool: Was machst du generell am liebsten und was eher nicht so?

Esther: Am allerliebsten stehe ich einfach auf der Bühne. Da vergesse ich für einen Moment alles, egal, wie es mir geht. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der overthinkt, aber auf der Bühne ist da so ein Knopf, dann ist alles aus – und das finde ich geil! Da kann ich auch richtig im Moment sein, was man ja heutzutage schwer hinkriegt. Auf der anderen Seite gibt es so To-Dos, die man so krass vor sich herschiebt, ich glaub, das kennt jeder. So Kleinigkeiten, die drei Wochen auf meiner Liste stehen und wo ich jeden Tag draufgucke – etwa Assets durchgucken, Fotoauswahl machen, irgendwas kontrollieren.

Cool: Zum Albumnamen: wofür lohnt es sich deiner Meinung nach zu leben?

Esther: Für ganz viele Dinge! Grade sind’s für mich Familie und Freunde ganz krass. Ich mach auch privat gerade ein bisschen eine schwerere Zeit durch, hab auch eine neue Wohnung. Das war so crazy, weil ich jetzt seit Ewigkeiten mal wieder für ein paar Monate bei Freunden auf der Couch gepennt habe. Da hab ich gemerkt: So ein Dach über dem Kopf, das ist schon ein Privileg und was Geiles! Dafür bin ich gerade voll dankbar – genau wie für meinen Job. Ich darf ein Album abgeben, das Leute hören wollen, das ist unfassbar! Interviews? Wie geil, dass Leute mit mir über meine Musik sprechen wollen. Aber auch für die negativen Dinge bin ich dankbar, zum Beispiel, wenn eine Liebe zerbricht. Ich hab keinen Bock mehr, wütend auf irgendwas zu sein und Dinge zu bereuen. Das gehört alles zu mir und ist Teil davon, warum ich jetzt so bin, wie ich bin. Es gibt ja auch Leute, die sagen: „Ich hab mich noch nie verliebt.“ Was? Ich verliebe mich die ganze Zeit, das ist das Beste der Welt (lacht). All das kommt immer mehr bei mir an und ist auch irgendwie die Kernessenz des Albums.

Cool: Der Track „wofür es sich zu leben lohnt“ hat ganz klar Fußball-Vibes – bist du ein großer Fußball-Fan?

Esther: Ehrlich gesagt schon, aber ich finde, wenn man das als Frau sagt, klingt das immer so „pick me“. Deswegen halte ich das gern ein bisschen zurück. Bei dem Song ist es aber voll lustig, weil das nicht die Intention war. Ich hab den auf einem Songwriting-Camp geschrieben, wo ja voll viele Artists, Produzenten und Songwriter sind. Da ist ja immer bisschen Druck da. Und plötzlich haben alle gesagt: „Boah, it’s giving WM!“ Also, habe ich gesagt: Die WM steht an, also lasst uns den doch da rausbringen. Und auf einmal ist eine Anfrage von der „Kings League“, der Fußball-Liga, reingekommen, ob ich da die Halftime-Show im Finale spielen möchte. Das traf sich perfekt! Das war dann auch erfrischend andere Promo für mich. Ich war aber echt aufgeregt, weil gerade als weibliche Popkünstlerin kann da viel schief gehen. Aber ich bin gut weggekommen! Und es war so schön, weil der Präsident ist da einfach Bastian Schweinsteiger, der hat dann auch mit mir gechillt und versucht, mich zu beruhigen, aber eigentlich war ich nur so: Du hast keine Ahnung, wie nervös mich das macht! (lacht) Aber er ist übelst der liebe Kerl, Shoutout an dich!

Cool: Du kommst aus Kärnten und lebst in Deutschland. Für wen schlägt dein Herz bei der anstehenden Fußball-WM?

Esther: Ja natürlich für Österreich! Wir sind ja auch zum ersten Mal dabei, seit ich lebe! Aber ich lebe ja schon lange in Berlin und durch meine neuen Fußballfreunde halte ich schon auch zu Deutschland. Ansonsten bin ich großer Real-Madrid-Fan und wegen Jude Bellingam kann gerne auch England vorne mit dabei sein.

Cool: Im Song „dafür war es echt“ gehts um eine kurze Romanze. Bist du Team „kurze Romanze“ oder Team „long run“?

Esther: Grundsätzlich schon long run. Aber Leute, der Sommer steht an! Man kann auch mal einen kleinen Hot-Girl-Sommer hinlegen (lacht).

Cool: Was hast du bisher so über Beziehungen gelernt, was du früher vielleicht anders gesehen oder falsch eingeschätzt hast?

Esther: Das klingt immer so stumpf, aber Kommunikation ist schon einfach das Allerwichtigste und auch der richtige Moment, wann man was kommuniziert. Ich verstehe auch, dass Menschen sensibel sind, also ja, diese Kunst sollte man beherrschen.