Liebe Kathi, ich mag den Sommer nicht, ich fühl mich in meinem Körper nicht wohl, hab einen Bauch und weiß nicht, wie ich ins Freibad gehen soll, ohne mich verstecken zu wollen.
Jakob, 17 Jahre
Lieber Jakob, zuerst eine Frage: Wessen Stimme ist das eigentlich, die dir sagt, dass dein Bauch ein Problem ist? Ist es deine eigene? Oder ist es die von Werbung, von Instagram oder von Kommentaren, die du irgendwann gehört hast, und die sich seitdem festgesetzt haben? Wir werden von klein auf trainiert, zu glauben, dass bestimmte Körper okay sind und andere nicht. Flach ist gut. Definiert ist gut. Alles andere muss weg, versteckt oder „gearbeitet“ werden. Das ist kein neutrales Gefühl, das einfach so entsteht. Das wurde uns beigebracht. Und jetzt das Wichtigste: Ein Bäuchlein ist kein Fehler. Er ist Anatomie. Organe brauchen Platz. Haut ist dehnbar. Körper speichern Energie – das ist ihr Job, das haben sie nimmer gemacht und das ist gut so. Der flache Bauch, den du in sozialen Medien siehst, existiert meistens nur mit Bearbeitung, perfektem Licht, angehaltenem Atem und einem Winkel der extra dafür gewählt wurde. Das echte Leben sieht anders aus. Und weißt du was? Im Freibad ist das auch so. Schau dir beim nächsten Mal die Menschen um dich an, nicht um sie zu beurteilen, sondern um wirklich hinzusehen. Bäuche. Dehnungsstreifen. Cellulite. Narben. Unterschiedliche Größen, Formen, Farben. Das ist normal. Das ist Realität. Die Instagram-Version des Freibads existiert nicht. Du verdienst es, den Sommer zu genießen. Nicht, weil dein Körper irgendeine Bedingung erfüllt, sondern weil du einfach da bist und das darf reichen.
