© Andreas Boldt

Billie Steirisch: „Dialekt ist geil!“

Wer kennt sie nicht, die übertrieben pinke, steirisch „böllende“ Kernöl-Influencerin? Billie Steirisch macht aber nicht nur Comedy auf TikTok, sondern auch Musik. Wir haben Billie zum großen Interview gebeten.

Wer kennt sie nicht, die übertrieben pinke, steirisch „böllende“ Kernöl-Influencerin? Billie Steirisch macht aber nicht nur Comedy auf TikTok, sondern auch Musik. Wir haben Billie zum großen Interview gebeten.

 

Cool: Mal ehrlich, wie oft wirst du auf der Straße erkannt und wie läuft das dann meistens ab?

Billie Steirisch: Je nachdem, ob gerade ein Video von mir viral geht, werde ich mal mehr und mal weniger erkannt. In der Steiermark passiert mir das fast täglich, aber es gibt zum Beispiel auch in Wien viele Leute, die mich erkennen. Die meisten kommen her, wollen ein Selfie und sagen mir, dass sie meinen Content oder meine Musik cool finden – darüber freue ich mich. Und manchmal werde ich nur angeschaut und weiß dann nicht: Werde ich jetzt erkannt oder einfach so angestarrt (lacht). Das ist dann immer recht weird.

Cool: Ich glaube, dass dich fast jeder irgendwie oder irgendwo schon mal gesehen hat, aber nicht jeder mag dich. Wie gehst du damit um?

Billie: Ich mache es jetzt nicht extra und zufleiß, aber ich glaube, dass es gut ist, dass Billie Steirisch polarisiert. Polarisieren ist immer ein Zeichen von Interesse. Es regt die Leute auf, lässt sie Emotionen fühlen, triggert irgendwas. Das ist super wichtig. Es gibt nur ganz wenige berühmte Artists, die nicht polarisieren. Man wird geliebt oder gehasst, und das macht dann auch den Hype aus. Wenn man authentisch ist, dann scheißt man eh drauf, es jedem recht zu machen, sondern macht einfach, was man geil findet und fühlt. Ich muss aber sagen, dass ich zum Glück nur ganz wenig Hate mitbekomme. Ich glaube, dass mich meine Hater eher im Stillen haten (lacht). Wenn die Hate-Kommentare sehr kreativ oder lustig sind, habe ich auch schon Reaction-Videos dazu gemacht, wenn sie wirklich niveaulos und unter der Gürtellinie sind, dann lösche ich sie einfach.

Cool: Gibt es was, das dir selbst peinlich ist, oder gab es Videos, bei denen du vor dem Hochladen gezögert hast?

Billie: Das gibt es immer wieder einmal, dass ich mir beim Anschauen denke „Oh mein Gott“ und dann einfach lachen muss. Aber genau das ist für mich der Punkt: Ich lache, also ist es unterhaltsam. Klar ist manchmal ein Cringe-Faktor drin und ja, es gab schon Videos, bei denen ich wirklich überlegt habe, ob ich sie raufladen soll, aber genau diese grenzwertigen Videos, die schon hart am Cringen sind, sind meistens viral gegangen.

Cool: Du hast also kein Problem damit, cringe zu sein?

Billie: Ich bin kein Mensch, der aus Versehen peinlich ist und glaubt, dass er grad ultra cool ist und alle anderen lachen mich aus – sowas ist dann urunangenehm. Mir macht es Spaß, ich spiele damit. Die meisten Leute sind unter Freunden, mit der Familie oder daheim mit dem Partner super cringe drauf, aber sie würden es halt nie filmen und auf Social Media stellen. Cringe sein ist ein Teil des Menschseins und das sollte man viel mehr embracen.

Cool: Apropos embracen: Mittlerweile ist es ja viel cooler, Anglizismen zu verwenden. Fühlst du dich ein bisschen als Dialekt-Botschafterin?

Billie: Wie du merkst, benutze auch ich Anglizismen (lacht), versuche aber oft, bewusst darauf zu verzichten, weil ich will, dass unsere Sprache gepflegt wird. Das habe ich schon von meiner Rhetoriklehrerin gelernt, die immer gesagt hat: Tuat‘s die Dialekte pflegen, sonst gehen sie verloren! Es ist cool, dass es Dialekte gibt. Sie geben uns eine Identität. Ich habe aber eigentlich das Gefühl, dass Mundart bei den 20- bis 30-Jährigen gerade ein bisschen im Hype ist. Aber ich verstehe auch die andere Seite, mir war Dialekt früher auch eher peinlich, als ich jünger war. Heute finde ich, dass es einfach mehr Farbe in die Sprache bringt. Dialekt ist eine bunte, geile Sache.

Cool: Zwischenzeitlich warst du gefühlt die meistgebuchte Austro-Influencerin (lacht). Puntigamer, Post, McDonald’s, Wolt, Oral B… gibt’s etwas das du nicht machst?

Billie: Natürlich gib’s das. Wenn es um Dinge geht, die ich selbst nicht benutze oder mit denen ich mich überhaupt nicht identifizieren kann, dann lasse ich es auch. Ich würde für alles mit Tabak und Snus niemals Werbung machen, da habe ich schon Anfragen gekriegt. Ich würde für Fleischunternehmen eher keine Werbung machen, außer es geht wirklich um Haltung und Bio-Stuff. Zähneputzen, zum Mäci gehen, bei der Post einen Brief wegschicken, einen Lieferdienst benutzen oder ein Puntigamer zwitschern (lacht)… das tue ich in meinem Alltag und das passt zu mir. Man muss aber auch sagen: So finanziere ich mir meinen Lebensunterhalt. Ohne die Kooperationen gäbe es auch die anderen Sachen nicht. Ich komme aus keiner reichen Familie, habe nicht so viel Kapital zur Verfügung und deshalb muss ich reinhusteln.

Cool: Kurzer Blick zurück: Wie ist Billie Steirisch entstanden?

Billie: Ich habe als Gini mit Musik begonnen bzw. ganz früher auch noch mit einer Rockband. Billie Steirisch wurde dann während der Pandemie geboren, weil ich nicht auf die Bühne konnte. Ich bin ja Schauspielerin und Sängerin, habe Musicals gespielt, Theater, eigene Musik auf Englisch geschrieben, habe auf Hochzeiten gesungen usw. und weil all das wegen Covid nicht möglich war, versuchte ich, mich anderweitig kreativ auszuleben. Auf TikTok und Instagram hat sich das Ganze dann ziemlich verselbstständigt.

Cool: Inzwischen machst du wieder Musik, aber mit Humor als Billie Steirisch. Lassen sich Comedy und Musik vereinbaren?

Billie: Musik ist mein Herzschlag und mein Leben. Ich fühle mich nach wie vor als Musikerin, habe im Hintergrund immer Musik gemacht und deshalb beschlossen, Billie Steirisch auch als Musikerin in die Welt zu tragen. Comedy und Musik lassen sich super toll miteinander vereinbaren. Ich möchte in Zukunft sogar noch mehr experimentieren und noch mehr Comedy und Frechheit in die Musik einbauen. Früher habe ich Musik schon sehr ernst genommen, aber es taugt mir, die beiden Sachen zu kombinieren, vor allem weil man in Zeiten von Social Media dann z.B. lustige Reels zu seinen Songs machen kann. Im Juni kommt jetzt mal meine erste EP raus. Mit tanzbaren Mundart-Tracks, Herzschmerz, etwas Anime-Angehauchtem, einem super lustigen Song… also seid gespannt.