© Andy Joe

Make-up ist nicht nur für Frauen …

Die Drag Queen Rachel Estrella Cloud ist 29 Jahre jung und lebt im wunderschönen Vorarlberg. Sie ist „Miss Tuntenball 2018“ und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Rachel macht ihr Ding und will auch euch dazu motivieren, zu euch selbst zu stehen!

Die Drag Queen Rachel Estrella Cloud ist 29 Jahre jung und lebt im wunderschönen Vorarlberg. Sie ist „Miss Tuntenball 2018“ und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Zeichen für Toleranz zu setzen. Rachel macht ihr Ding und will auch euch dazu motivieren, zu euch selbst zu stehen!

 

Cool: Wann hast du dich zum ersten Mal für Schminkprodukte und Frauenkleidung interessiert und wie hat sich das für dich angefühlt?

Rachel Estrella Cloud: Als ich noch ziemlich jung war, fand ich Mamas Stöckelschuhe und die ganzen Schminkprodukte total faszinierend und ich habe mich immer gefragt, warum nur Frauen diese coolen Sachen verwenden dürfen. Als Jugendlicher fing ich dann an selber Make-up zu verwenden und ich fühlte mich gut dabei. Ich finde, wenn man sich selber dabei gut fühlt, dann sollte man es auch machen egal was die anderen sagen.

Cool: Wann hast du dich selbst zum ersten Mal als Drag Queen geschminkt?

Rachel: Das erste Mal war so ca. 2007, mein damaliger Freund war ein Travestiekünstler und dort konnte ich mich auch Mal schminken. Aber so richtig los ging es bei mir erst 2012 durch ein Theaterstück in Innsbruck. Hier konnte ich das erste Mal so richtig in die Drag-Szene eintauchen und das ließ mich bis heute nicht mehr los.

Cool: Was fasziniert dich an der Drag-Szene?

Rachel: Ich liebte es schon immer auf der Bühne zu stehen. Drag ist eine Kunst und genau das fasziniert mich so daran. Man kann seine Kreativität im Make-up in den Kostümen und in den Performances komplett ausleben. Drag ist so vielfältig und jeder kann das machen womit er sich gut fühlt. Es gibt im Drag fast keine Regeln oder Vorschriften wie ich sein soll. Es ist für mich auch fast schon ein Statement gegen den grauen Einheitsbrei der Gesellschaft.

Cool: Wie hat dein Umfeld (Freunde, Familie) darauf reagiert?

Rachel: Anfangs gab es in der Familie schon einige schiefe Blicke als ich sagte, dass ich in Frauenkleidern auf der Bühne stehe. Aber sobald ich erklärte was, eine Drag Queen ist und was ich mache war es kein Problem mehr für meine Familie und Freunde.

Ich möchte ein Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung setzen.

Cool: Welche Rückschläge hast du auf deinem Weg zur Drag Queen erleiden müssen? Gab es einen konkreten, der dir besonders nahe ging?

Rachel: Rückschläge gibt es immer wieder. Ich bin in Tirol aufgewachsen und dort ist die Drag-Szene nicht wirklich groß. Man hat leider auch nicht die Möglichkeiten wie in einer Großstadt und das hat es für mich oft sehr schwierig gemacht. Am schwierigsten war für mich eine Situation vor einiger Zeit: Ich habe mich für einige Personen sehr eingesetzt und immer mein Bestes gegeben, musste aber dann erkennen, dass mein Einsatz und die Zeit, die ich dafür investierte einfach nicht anerkannt wurden. Nicht mal einen einfachen Dank oder ein „toll gemacht“ wurde ausgesprochen, im Gegenteil, man wollte immer mehr und das machte mich auf Dauer sehr unglücklich. Ich habe mich dann davon distanziert und das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Cool: Welches Zeichen möchtest du als Drag Queen setzen?

Rachel: Für mich habe ich gemerkt, dass man als Drag Queen auch ein Vorbild sein kann. Ich will den Menschen Mut machen, so zu sein wie sie sein wollen, sich nicht verstecken müssen. Ich möchte ein Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung setzen.

Cool: Was würdest du deinem „jüngeren Ich“ jetzt raten?

Rachel: Verliere nie den Mut, du wirst einige Rückschläge erleiden und es wird auch nicht alles so laufen wie du es dir wünschst. Aber ich bin stolz, dass ich jeden Rückschlag gemeistert habe und jetzt die Person bin die ich bin. Sei mutig und lass dir nicht vorschreiben was gut für dich ist, denn nur du weißt was für dich gut ist. Getreu dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter  machen.“

Cool: Was würdest du Jungs raten, die gerne in die Drag-Szene eintauchen würden, aber sich nicht trauen?

Rachel: Macht es einfach. Habt keine Angst davor. Ich weiß, dass der erste Schritt meistens der Schwierigste ist. Mein Tipp wäre: Sucht euch eine Motto Party – etwas wenn viele verkleidet unterwegs sind, beispielsweise auch im Fasching – da könnt ihr euch auch ausprobieren. Redet mit Drag Queens, die ihr vielleicht schon kennt. Ich gebe gerne Tipps und Tricks weiter und vielleicht findet ihr dadurch auch eine Drag Mutti, die euch ein wenig unter ihre Fittiche nimmt. Und Mädels seid nicht traurig es gibt auch eine tolle Szene von Frauen die in der Drag-Szene unterwegs sind, sei es als Drag Queen oder als Drag King. Es gibt wirklich für jeden etwas.

© Oliver Wolf

Das ist „Tabulos“
Ich freue mich extrem, dass wir jetzt auch im COOL vermeintliche Tabu-Themen tabulos machen. Toleranz ist ein Wert, der in heutigen Gesellschaft leider oft keine besonders große Bedeutung hat. Dabei ist Toleranz die Grundlage für ein schönes Miteinander. Jeder Mensch verdient meiner Meinung nach Respekt. Ich finde es richtig uncool, wenn Menschen wegen ihres Äußeren oder ihrer Sexualität negativ abgestempelt werden. Rachel Cloud ist auch für mich ein Vorbild. Sie zieht ihr Ding durch und gibt auch mir Mut so zu sein wie ich bin. Übrigens, auch heterosexuelle Jungs können Drag Queens sein. #celebratediversity . (Kathrin Hiller)