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„Ich will so aussehen, wie die Mädchen auf Instagram“

Viele Jugendliche sind unzufrieden mit ihrem Aussehen und wünschen sich eine Schönheitsoperation. Wir haben mit Univ.-Doz. Dr. Helmut Hoflehner über Schönheits OPs bei Jugendlichen gesprochen. Er ist Facharzt für plastische Chirurgie in der Schwarzl Klink in Laßnitzhöhe.

Viele Jugendliche sind unzufrieden mit ihrem Aussehen und wünschen sich eine Schönheitsoperation. Wir haben mit Univ.-Doz. Dr. Helmut Hoflehner über Schönheits OPs bei Jugendlichen gesprochen. Er ist Facharzt für plastische Chirurgie in der Schwarzl Klink in Laßnitzhöhe.

 

Cool: Wie alt muss man sein, damit man eine Schönheits OP machen darf?

Dr. Hoflehner: Damit eine Schönheitsoperation durchgeführt werden darf, muss man volljährig sein. Das bedeutet, dass Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr keine Schönheits-OPs ohne die Einwilligung der Eltern machen dürfen. Es gibt allgemein nur sehr wenige Eingriffe, die an Jugendlichen überhaupt durchgeführt werden. Wenn Jugendliche operiert werden, dann nur, wenn es aus medizinischer Sicht unbedingt notwendig ist. Ansonsten wird nicht operiert.

Cool: Welche Eingriffe werden auch vor dem 18. Lebensjahr gemacht?

Dr. Hoflehner: Wenn Kinder abstehende Ohren haben, dann kann eine Operation durchgeführt werden. Das wird sogar schon sehr früh gemacht, oft noch bevor die Kinder in die Schule kommen. Damit die Kinder dort nicht gehänselt werden.

Cool: Was ist mit Nasen-OPs?

Dr. Hoflehner: Wir raten den Jugendlichen zu warten, bis sie ausgewachsen sind. Bis zum 20. Lebensjahr kann sich am Körper noch sehr viel verändern. Wenn man in einen noch wachsenden Körper eingreift, kann es sein, dass man nach einigen Jahren nochmals einen Eingriff vornehmen muss. Speziell bei der Nase sollten Jugendliche also wirklich warten, bis sie ausgewachsen ist. Wenn die Patienten allerdings Beschwerden haben, zum Beispiel durch eine schiefe Nasenscheidewand, dann kann eine OP schon durchgeführt werden.

Cool: Viele junge Mädchen sind vor allem mit ihrer Brust unzufrieden. Was kann man ihnen da raten?

Dr. Hoflehner: Bei der Brust-OP gilt eigentlich das gleiche, wie bei der Nasen-OP. Wenn die Patientin noch nicht ausgewachsen ist, raten wir von einem Eingriff ab. Falls die Patientin aber stark unterschiedlich große Brüste hat und das ihre Gesundheit und vor allem die Psyche beeinträchtigt, dann kann eine Operation helfen. Für die Mädchen ist das nämlich eine starke psychische Belastung, sie trauen sich oft nicht mal mehr zum Sport weil sie nicht mit den Schulkolleginnen duschen wollen. Da können wir dann schon etwas machen.

Cool: Was passiert, wenn ein junges Mädchen die Erlaubnis der Eltern für eine Brust-OP bekommt, obwohl die Brüste aus medizinischer Sicht nicht operiert werden müssten?

Dr. Hoflehner: Ich würde diese Operation nicht durchführen und dem Mädchen sagen, dass sie warten muss, bis sie ausgewachsen ist. In Österreich gibt es ein ziemlich strenges Gesetz, das besagt, dass die Mädchen in diesem Fall sogar zum Psychiater müssen. Da reicht auch die Einwilligung der Eltern nicht. Der Psychiater entscheidet dann, ob eine Operation durchgeführt werden soll, oder nicht. Manche Mädchen leiden so unter ihrem Busen, dass der Arzt dann zu einer Operation rät.

Bis zum 20. Lebensjahr kann sich am Körper noch sehr viel verändern.

Cool: Glauben Sie, dass Social Media, vor allem Instagram, zu einem verzerrten Selbstbild von Jugendlichen führt?

Dr. Hoflehner: Das glaube ich schon, dass das eine Rolle spielt. Auf solchen Plattformen stellen sich die Menschen ja oft viel schöner dar, als sie eigentlich sind und nutzen Bildbearbeitungsprogramme um noch besser auszusehen. Es wäre wichtig, dass man die Jugendlichen darüber aufklärt, dass diese Bilder in den Zeitschriften und auf Instagram alle stark bearbeitet sind und sie nicht immer der Realität entsprechen.

Cool: Was würden sie Jugendlichen raten, die mit ihrem Körper unzufrieden sind?

Dr. Hoflehner: Die Grundlage ist immer ein gesundes Lebenskonzept. Das bedeutet: gesunde, ausgewogene Ernährung und auch Sport. Man muss es ja nicht übertreiben, aber zwei Mal Sport pro Woche hält den Körper fit. Und nicht rauchen.

Cool: Warum nicht rauchen?

Dr. Hoflehner: Das Nikotin richtet enorme Schäden an der Haut an. Es zerstört die elsastischen Fasern und die Haut wird faltig. Das sieht man mit 16 natürlich noch nicht. Aber wenn man dann so zehn Jahre älter ist, schaut die Haut eines Rauchers ganz anders aus, als die eines Nichtrauchers und diese Schäden kann man auch nicht mehr wegoperieren.

Cool: Wie ist das dann mit Alkohol? Wirkt sich das auch negativ auf das Aussehen aus?

Dr. Hoflehner: Ja, auch der übermäßige Konsum von Alkohol kann sich negativ auf das Aussehen auswirken. Die Augen werden dadurch richtig verschwollen.

Cool: Kann die plastische Chirurgie also doch nicht alles wieder schön und neu machen?

Dr. Hoflehner: Natürlich nicht (lacht). Wir sind ja keine Zauberer. Nehmen wir Übergewicht als Beispiel, das ist leider für viele Jugendliche auch ein Problem. Jeder kann sich die tollsten Süßigkeiten und Chips kaufen. Die Folge davon ist, dass viele Jugendliche dadurch schon ein sehr schlechtes Bindegewebe haben. Crash-Diäten verschlechtern den Zustand des Gewebes nur. Man verliert dadurch kurzzeitig an Gewicht aber nimmt dann schnell wieder zu. Die Haut dehnt sich und muss sich dann wieder zurückbilden und dehnt sich im Endeffekt wieder aus – das ist eine enorme Belastung für das Gewebe. Diese Schäden kann man dann auch nicht mehr reparieren. Viele Menschen glauben leider, dass Schönheitschirurgen alle „Fehler“ wegoperieren können, aber das stimmt nicht. Die moderne Medizin ist schon sehr weit entwickelt, aber alles geht dann doch nicht. Deswegen muss auch schon den Jugendlichen bewusst gemacht werden, wie wichtig ein gesunder Lebensstil ist, vor allem für die Zukunft.

© Oliver Wolf

Das ist „Tabulos“
Wer möchte denn nicht aussehen, wie die Influencer auf Instagram? Perfekte Haut und noch perfektere Körper. Wie Dr. Hoflehner in dem spannenden Interview gesagt hat: „Nicht alles ist real!“ Das solltet ihr euch immer wieder in Gedanken rufen. Die Influencer machen tausende Bilder, suchen davon dann das allerbeste aus, bearbeiten es anschließend noch mit Photoshop, Lightroom und Co. und posten es erst, wenn es „perfekt“ ist. Diese Perfektion hat mit der Realität aber oft nicht mehr viel zu tun. Anstatt euch ständig mit anderen zu vergleichen, solltet ihr viel mehr auf euch selbst schauen und herausfinden, was euch glücklich macht. Das Schönste an den Menschen ist sowieso ihr Lachen und dafür gibt es keinen Filter, dazu muss man glücklich sein! (Kathrin Hiller)