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„Wir sind immer noch der einzige Podcast, der so viel Blödsinn macht“

Das Spotify Original „Dick & Doof” zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Podcasts im deutschsprachigen Raum. Wir haben bei Sandra und YouTube-Star Luca mal nachgefragt.

Das Spotify Original „Dick & Doof” zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Podcasts im deutschsprachigen Raum. Wir haben bei Sandra und YouTube-Star Luca mal nachgefragt.

 

Cool: In der Beschreibung zur ersten Folge im August 2019 habt ihr geschrieben, dass es ab jetzt nur noch bergab geht. Habt ihr Wort gehalten?

Luca: Ja, definitiv. Also wir waren der einzige Podcast oder sind immer noch der einzige Podcast, der so viel Blödsinn macht. Alle haben irgendwie einen Plan – und ja, eine Mission mit ihrem Podcast – und wir wollen euch einfach nur von unseren Erlebnissen erzählen, euch einen Einblick in unser Leben geben. Wenn ich allein an unsere Folge von vor zwei Wochen denke: wir haben eine Weihnachtsfolge produziert und uns entsprechend weihnachtlich angezogen und Glühwein gekocht – Ende September! Also es ist auf jeden Fall krass bergab gegangen (lacht).

Cool: Eigentlich ging es ja ganz und gar nicht bergab, sondern steil bergauf. „Dick & Doof“ ist mittlerweile einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Podcasts. Hättet ihr euch das erwartet?

Sandra: Wir hätten das überhaupt nicht erwartet. Erst recht nicht, dass Spotify auf uns zukommt und mit uns zusammenarbeiten möchte. Unser eigentliches Ziel war es anfangs, dass unser Podcast nicht gesperrt wird, da wir einer der wenigen sind, die als „explizit“ gekennzeichnet werden, wegen unserer teils nicht jugendfreien Geschichten und unserer Wortwahl. Dass wir jetzt ein Jahr später ein Spotify Exclusive und in den Top 10 der deutschsprachigen Podcast-Charts vertreten sind, hätten wir uns nicht ausmalen können.

Cool: Warum boomen Podcasts derzeit so?

Luca: Ich glaube, dass viele Leute einfach nicht mehr normal Wäsche zusammenlegen, Auto fahren oder in der Bahn sitzen wollen, sondern man will immer irgendwie beschallt werden. Man braucht was zum Hören, Unterhaltung.

Sandra: Ja, voll! Wenn nicht gerade ein Podcast parat ist, dann hängt man am Handy, ist irgendwie auf Instagram oder schreibt mit Freunden über WhatsApp. Ich glaube, dass wir da einfach einen guten Zeitpunkt erwischt haben. Das sind so die Hauptgründe, warum Podcasts gerade so abgehen, glaube ich.

Cool: Welche Podcasts feiert ihr selbst?

Sandra: Also ich liebe Ana und Tim und ihren Podcast „Die Johnsons“.

Luca: Ich höre immer den Deutschlandfunk-Podcast und den Tagesschau-Podcast, weil das einfach für mich der beste Weg ist, um mich über das aktuelle Geschehen in der Welt auf dem neusten Stand zu halten. Ich bin aber ganz ehrlich: Ich selbst höre gar nicht so viele Podcasts, sondern mehr Hörbücher. Immer wenn ich Auto fahre, höre ich „Die drei ???“.

Cool: Jetzt macht der YouTuber Luca auch noch einen Podcast und springt auf den Erfolgszug auf. Wie oft hast du diesen Satz bereits gehört?

Luca: Ehrlich gesagt noch kein einziges Mal. Weil wir mit unserem Podcast auch nie die Intention hatten, nutzerfreundlich und family-friendly zu sein und mit Sponsoren das große Geld zu machen. Es war einfach so ein Spaß-Projekt, was ich mit Sandra gestartet habe. Als irgendwann Spotify um die Ecke kam, waren wir selbst überrascht. Das war nie unser Plan, aber die aktuelle Entwicklung freut uns natürlich sehr.

Cool: Gab es beim Titel eigentlich mal eine Diskussion bzgl. politischer Korrektheit, also darf man dick noch sagen?

Luca: „Lauch & Bauch“ war auch eine Überlegung (lacht). Also wir selbst hatten da nie eine Diskussion. Sandra hat kein Problem damit, dick genannt zu werden im Titel. Ich habe kein Problem damit, doof genannt zu werden. Wenn sich da irgendjemand beschweren sollte, dann bin ich aber auch ganz ehrlich: Das bezieht sich auf uns und wir haben noch nie Hate bekommen. Ich glaube eher, dass das ganze Thema größer gemacht wird in den Medien, als es wirklich ist. Klar ist Bodyshaming eine Sache, die gerade im Jahr 2020 nicht mehr vorkommen sollte, nicht mehr vorkommen darf. Allerdings sind wir einfach wir und wenn Sandra mich beleidigt oder ich Sandra mal beleidigen sollte, wissen wir, dass wir einfach Freunde sind und dass es aus Spaß gemeint ist und dass wir einander mögen, aber nicht irgendwie „dick“ als Beleidigung ansehen oder „doof“.

Cool: Ihr zieht unglaublich durch und veröffentlicht alle drei bis vier Tage eine neue Episode mit rund einer Stunde Laufzeit. Wie schafft ihr das, sowohl logistisch als auch inhaltlich?

Sandra: Logistisch war es anfangs relativ schwierig, weil ich kein Mikro hatte, geschweige denn eine Wohnung (lacht). Ich bin dann immer wöchentlich zu Luca nach Köln gefahren und habe das Aufnehmen meistens mit dem Treffen von Freunden verbunden. Mit Corona wurde es etwas schwieriger, weil man nicht richtig reisen konnte, sich nicht treffen durfte und wir natürlich auch als positives Beispiel vorangehen wollten. Ich habe mir dann ein Mikrofon bestellt, und so haben wir eine Zeit lang unsere Tonspuren telefonisch aufgenommen. Inzwischen ist Luca von Köln nach Hamburg gezogen, jetzt machen wir das meistens auch so, dass wir telefonieren, aber wir uns alle zwei Wochen treffen, um eine neue Episode aufzunehmen, weil das Nebeneinandersitzen doch einen wichtigen Teil des Podcasts ausmacht. Es hat dem Ganzen einen anderen Vibe gegeben.

Luca: Inhaltlich ist es für uns eigentlich überhaupt nicht schwierig, weil wir beide keine Menschen sind, die den ganzen Tag drinnen sitzen und rumgammeln. Wir sind beide relativ viel unterwegs, sowohl geschäftlich als auch privat, häufig mit Freunden. Dadurch haben wir immer Gesprächsthemen und in den drei, vier Tagen zwischen den Podcast-Folgen passiert immer extrem viel. Wir hatten noch nie das Problem, dass wir in einer Podcast-Folge dachten: so, über was reden wir denn jetzt als nächstes? Wir haben vorab nie feste Themen. Das haben wir mal probiert, sind dann aber immer vom Thema abgekommen und wieder auf Sachen eingegangen, die bei uns im Leben passiert sind. Wir nennen das Life-Update bei uns in der Folge, unterhalten uns oft auch über die Schulzeit oder ähnliches. Wir haben in dem einen Jahr, in dem wir den Podcast nun aufnehmen, eigentlich noch nie die Situation gehabt, dass wir nicht mehr wussten, über was wir reden konnten, weil wir beide total krasse Quassel-Mäuler sind.