© Constantin Television / Mike Kraus

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo: „Die Geschichte ist nach wie vor aktuell“

Vor kurzem ist bei Prime Video die Amazon-Original-Serie “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gestartet. Wir haben Hauptdarstellerin Jana McKinnon zum Interview gebeten und mit ihr über das Buch, die Geschichte und die Dreharbeiten gesprochen.

Vor kurzem ist bei Prime Video die Amazon-Original-Serie “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gestartet. Wir haben Hauptdarstellerin Jana McKinnon zum Interview gebeten und mit ihr über das Buch, die Geschichte und die Dreharbeiten gesprochen.

Cool: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gilt als Pflichtlektüre in der Schule. Kannst du dich noch daran erinnern, wie ihr das Buch in der Schule durchgenommen habt beziehungsweise wann du das Buch zum ersten Mal gelesen hast?

Jana McKinnon: Ich habe es nicht in der Schule gelesen, aber ich kann mich noch sehr gut an meine erste Berührung mit der Geschichte erinnern, denn die ist witzigerweise noch gar nicht so lange her. Ich bin letztes Jahr im Frühling nach Berlin gezogen und wollte aus diesem Anlass ein Buch über Berlin lesen. Meine Wahl fiel dabei ausgerechnet auf „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“, da ich das Buch natürlich kannte, aber noch nie gelesen hatte. Ich habe es dann in ein bis zwei Tagen verschlungen und musste es zwischendurch auch immer mal weglegen, weil es mich dermaßen in seinen Bann gezogen hat. Zwei Wochen später bekam ich dann eine Einladung zum Casting als Christiane F. und zwei Tage später hatte ich die Rolle. Das war total verrückt, aber es sollte offenbar so sein (lacht).

Cool: Was macht deiner Meinung nach auch vierzig Jahre danach die Faszination an der Geschichte aus?

Jana: Ich glaube, dass viele Themen davon sehr zeitlos sind: Die erste große Liebe, neue Freunde finden, der Wunsch dazuzugehören, die Hürden des Erwachsenwerdens – all das ist nach wie vor aktuell. Und der andere Aspekt sind natürlich die düsteren Tabus, die damals wie heute schockieren, nämlich, dass es Drogenmissbrauch unter Jugendlichen und sehr wohl auch Kinderprostitution gibt.

Cool: Wie du schon sagtest, ist vieles von der Geschichte sehr harter Content. Freut man sich da als junge Schauspielerin auf die Aufgabe oder hattest du vor den Dreharbeiten schon ein wenig „Angst“?

Jana: Ich empfinde diese Rolle schon als ein Geschenk, weil sie einfach so viele Ebenen, Facetten und Möglichkeiten zum Schauspielen bietet – von normalen Teenagerproblemen bis hin zum Drogenrausch ist wirklich alles dabei. Klar, es war eine riesige Herausforderung, das alles darzustellen, aber eine Herausforderung, die cool ist. Bitte nicht falsch verstehen, aber es ist eben cool, wenn man sich als Schauspielerin Gedanken machen muss, wie man etwas möglichst realistisch darstellen kann, viel zu recherchieren hat und man dann stolz ist, wenn man es hinkriegt. Ich habe im Laufe der Produktion auch den Journalisten kennengelernt, der damals die Geschichte aufgedeckt und das Buch mitgeschrieben hat, und als er meinte, dass er in meinem Schauspiel Ähnlichkeiten zur echten Christiane F. sehen würde, war das für mich das größte Kompliment.

Cool: Wie genau hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Jana: Ich habe das Buch und die Drehbücher einige Male gelesen, habe mir natürlich auch den Kinofilm angeschaut, aber ich habe auch viel in den Tiefen des Internets recherchiert. Beispielsweise habe ich mir Drogendokus angesehen, Blogs und Foreneinträge über Entzug durchgelesen, es gibt auch Videos im Netz, in denen sich Leute selbst beim Drogenkonsum filmen und all das habe ich aufgesogen und versucht in meine Darstellung miteinfließen zu lassen. Und was auch noch sehr bedeutend für meine Christiane F. war: Da das Sound und das Tanzen im Sound für sie ja so wichtig und ein Gefühl der Freiheit war, habe ich zur Vorbereitung sehr viel getanzt und vorm Spiegel überlegt und probiert, wie Christiane getanzt haben könnte.

Cool: Das Ganze ist ja keine fiktive Geschichte, sondern basiert auf einer wahren Begebenheit. Gab es für dich während der Dreharbeiten einen WTF-Moment, in dem du schockiert warst, dass das wirklich so passiert ist?

Jana: Einen einzelnen Moment gab es für mich nicht, aber die ganze Story ist irgendwie schwer vorstellbar und ich finde es bis heute total irre, dass ich Christiane F. spielen durfte. Während den Dreharbeiten selbst hatte ich diesen „What the f***“-Gedanken aber eigentlich nie, weil ich es als Christiane ja als normal empfinden musste. Ich habe mich voll in die Rolle reingestürzt und da war dann kein Platz mehr für eine Jana, die sich über ein bestimmtes Ereignis wundert.