© Marvin Ströter

Wincent Weiss: „In der Schule fand ich Schreiben ätzend“

Der deutsche Popstar und „The Voice Kids“-Juror hat im Mai sein neues Album „Vielleicht irgendwann“ veröffentlicht. Im COOL-Interview spricht Wincent Weiss über die Entstehung seiner Songs sowie die Schattenseiten des Starseins.

Der deutsche Popstar und „The Voice Kids“-Juror hat im Mai sein neues Album „Vielleicht irgendwann“ veröffentlicht. Im COOL-Interview spricht Wincent Weiss über die Entstehung seiner Songs sowie die Schattenseiten des Starseins.

 

Cool: Keine Konzert und Interviews via Zoom. Wie hast du die ganze Corona-Situation erlebt?

Wincent Weiss: Ich finde, und das habe ich auch meiner Community schon oft gesagt, dass man versuchen sollte, sich auch in einer solch negativen Situation etwas Positives herauszufischen. Bei mir war das jetzt zum Beispiel der Release meines neuen Albums. Bei meinen bisherigen beiden Alben war immer alles sehr stressig, ich war auf Tour und, und, und. Da hatte ich immer das Gefühl, dass mein Album-Release einfach ein Termin zwischen zwei anderen Terminen ist. Diesmal konnte ich der Veröffentlichung aber richtig entgegenfiebern und auch die ganze Promo-Phase mit meinen Fans viel mehr genießen. Das hätte ich ohne Corona vermutlich nicht so erlebt.

Cool: Hat sich das auch musikalisch auf das Album ausgewirkt?

Wincent: Auf jeden Fall! Die neue Platte ist definitiv etwas nachdenklicher, aber das liegt auch daran, weil ich während der Lockdowns nichts anderes zu tun hatte, als nachzudenken.

Cool: „Irgendwas gegen die Stille“, „Irgendwie anders“ und jetzt „Vielleicht irgendwann“. Stehst du heimlich auf Adverbe? (lacht)

Wincent: Um ehrlich zu sein, war „Vielleicht irgendwann“ eigentlich nur ein Platzhalter. Es gibt zwar auf dem Album jetzt sogar einen Song, der so heißt, aber der war zum Zeitpunkt, als mir „Vielleicht irgendwann“ einfiel, noch gar nicht geschrieben. Ich fand die Vorstellung einfach witzig, das mit den „Irgendw“-Wörtern fortzusetzen und hab mir „Vielleicht irgendwann“ einfach mal notiert. Irgendwann (lacht) habe ich mir dann gedacht: Ich ziehe das mit „Vielleicht irgendwann“ jetzt einfach durch. Ich finde es selbst sehr amüsant, weiß aber auch, dass es bei Album Nummer vier oder fünf dann mal schwierig werden wird.

Cool: Du legst bei deinen Songs sehr viel Wert auf die Texte und erzählst viele Storys sehr direkt. Warum ist das so?

Wincent: Das stimmt tatsächlich. Ich habe schon früh begonnen, meine Lieder sehr direkt zu schreiben. Ich benutze super wenig Symbole oder Bilder, in die man etwas hineininterpretieren kann, sondern versuche die Geschichten möglichst so zu erzählen, wie ich sie erlebt habe. Ich finde diese direkte Sprache für mich einfach passender. Ich muss nichts umschreiben, ich muss mir nichts ausdenken, sondern es ist einfach Storytelling. Ein bisschen wie Tagebuch schreiben in Song-Form, das fällt mir am leichtesten.

Cool: Musik besteht aber nicht nur aus dem Text, auch die Melodie oder der Ohrwurm-Faktor sind wichtig. Wie schwer ist es für dich da einen guten Kompromiss zu finden?

Wincent: Das kommt auf den Song an. Bei einer Nummer wie „Feuerwerk“ war damals zum Beispiel von vornherein klar, dass auch die Melodie und der Ohrwurm-Faktor wichtig sind, weil der Song eingängig sein und möglichst viele Leute erreichen sollte. Aber natürlich gibt es auch Lieder bei denen man weiß, dass sie keine Hits werden. Ich habe im Vorfeld des neuen Albums fünf Songs rausgebracht, davon war genau einer für die Radios konzipiert. Bei den anderen vier Songs waren für mich Ohrwurm-Faktor und Streamingzahlen absolut zweitrangig. Diese Songs sind mir persönlich einfach wichtig und deshalb habe ich sie veröffentlicht.

Cool: Du hast diesmal für die Deluxe Box auch noch ein handgeschriebenes Buch geschrieben und hast das Wort „Schreiben“ sogar tätowiert. Woher kommt deine Faszination für das Schreiben und Texten?

Wincent: Das ist eine sehr gute Frage, weil ich früher eigentlich immer sehr unkreativ war. Ich habe nie Tagebuch geschrieben, habe Gedichte schreiben gehasst – alleswas in der Schule irgendwie in Richtung Schreiben ging, fand ich durchgehend ätzend (lacht). In Deutsch hatte ich deshalb immer eine schlechte Note. Als ich das Ganze aber plötzlich mit Singen und Musik verbinden konnte, habe ich daran richtig Spaß gefunden. Es war dann nicht mehr Texte schreiben, sondern Songs schreiben und dabei kann ich mich richtig ausleben. Also für mich ist die Musik da der Key. Das Buch für die Deluxe Box war da jetzt auch wirklich eine Ausnahme, weil normalerweise schreibe ich meine Gedanken nie so ausführlich und in ganzen Sätzen nieder, sondern mache mir nur kurze Notizen für meine Lieder.

Cool: Apropos Deluxe-Box-Buch: Du hast auf Instagram mal ein paar Seiten daraus vorgelesen und zwar eine Stelle darüber, wie schwierig es für dich ist, zu daten, weil du immer und überall beobachtet wirst. Wie schwer und nervig ist es gerade in Sachen Liebe ein Star zu sein?

Wincent: Es fängt ja schon damit an, dass ich mich selbst gar nicht als Star sehe, aber ich verstehe natürlich, dass man den Begriff verwendet wenn jemand bekannter ist. Das Daten finde ich wahnsinnig schwer. Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren Single und es ist wirklich nicht einfach. Wenn ich mich mal mit einem Mädel in einem Restaurant getroffen habe, habe ich schon immer nach einem Tisch ganz hinten in der letzten Ecke gefragt, damit uns keiner sieht. Dann schaust du ständig nach links und rechts, ob nicht jemand sein Handy zückt. All das hemmt mich und macht mich noch schüchterner und das finde ich einfach schade. Ich würde einfach gerne in einer Bar mit einem Mädel knutschen und tanzen können wie jeder andere auch, ohne dass es zehn Sekunden später ein Video auf Insta davon gibt.

Cool: Sind das Momente, in denen du lieber ein normaler 28-Jähriger wärst?

Wincent: Ja, schon. Ich denke mir dann oft: Oh Mann, Wincent, warum bist du bekannt? Ich merke das zum Beispiel auch wenn ich mit Freunden ins Kino will. Freunde fragen mich, ob wir um 20 Uhr ins Kino gehen wollen und ich muss dann auf 22 Uhr verschieben, damit zumindest ein bisschen weniger los ist. Meine Kumpels fühlen sich sonst ja auch beobachtet und müssen dauernd auf mich warten und das ist irgendwie schade.

Auf unserer Instagram-Seite @cool.jugendmagazin hat Wincent auch noch einige Fanfragen beantwortet.