© Sophia Bieringer/So Segs I Fotografie

Joelle Christin Tilly: Vom Mobbingopfer zur Miss

Die 19-jährige Joelle Christin Tilly aus Klagenfurt hat die diesjährige Wahl zur Miss Kärnten gewonnen. Mit #sowiedubist stand der Schönheitswettbewerb heuer unter einem besonders coolen Motto, deshalb wollten wir die Gewinnerin unbedingt zum Interview treffen. Dabei ergab sich ein überraschend persönliches Gespräch über Mobbing und Female Empowerment.

Die 19-jährige Joelle Christin Tilly aus Klagenfurt hat die diesjährige Wahl zur Miss Kärnten gewonnen. Mit #sowiedubist stand der Schönheitswettbewerb heuer unter einem besonders coolen Motto, deshalb wollten wir die Gewinnerin unbedingt zum Interview treffen. Dabei ergab sich ein überraschend persönliches Gespräch über Mobbing und Female Empowerment.

 

Cool Mädchen: First of all: Heißt du jetzt eigentlich Joelle Christin oder Jennifer? (lacht)

Joelle Christin Tilly: Mein bester Freund hat vor vielen Jahren damit angefangen, mich Jenny zu nennen, weil er meinte, dass ich perfekt zu den drei Jennifers aus der Serie „Big Time Rush“ passen würde, die immer am Pool gesessen sind und so zickige Models waren (lacht). Seitdem hat sich Jenny bzw. Jennifer durchgesetzt. Dann habe ich es auf Instagram verwendet und auch in der Schule wurde ich dann nur mehr so genannt.

Cool Mädchen: Hast du immer schon davon geträumt, eine Miss zu sein?

Joelle Christin: Also, wenn man die Filme aus Amerika von den Missen sieht, war das für mich schon immer ein Traum, bei sowas mitzumachen, vielleicht bei einer Talentshow oder so. Als Miss habe ich mich selbst zwar nie ganz gesehen, aber ich wollte schon immer mal in die Öffentlichkeit, z.B. durchs Modeln oder Schauspielen. Meine Mama hat mich dann darauf aufmerksam gemacht und ich hab gesagt, dass ich es mir mal anschauen werde. Eine Misswahl ist ja auch ein gutes Sprungbrett, um in der Öffentlichkeit Fuß fassen zu können.

© Miriam Dewam

Cool Mädchen: Wie war das Feedback zu deinem Sieg?

Joelle Christin: Freunde von meiner Mama haben vor Freude geweint, meine Eltern auch. Mein Vater hat nicht mehr schlafen können vor lauter Freude. Das war wirklich süß! Leider war auch viel negatives Feedback dabei, beispielsweise von der Schule oder auf Social Media, also das war wirklich eine große Welle.

Cool Mädchen: Kannst du uns da ein paar Beispiele nennen?

Joelle Christin: Viele meinten, dass Hardy (Anmerk.: Marolt, Mister Kärnten 2024) und ich nur wegen unserer Nachnamen gewonnen hätten, weil die in Kärnten recht bekannt sind. Einige sagten auch, dass wir gar nicht so gut ausschauen, sondern eher nur Durchschnitt sind. Aber ganz ehrlich: Es ist komplett egal, außerdem war das Motto #sowiedubist. Ich bin froh, dass ich mitgemacht habe, wie ich bin, und dass ich trotzdem Miss geworden bin.

Cool Mädchen: Wie gehst du mit so negativen Sachen um?

Joelle Christin: Ich kenne das, weil ich in der Schule selbst neun Jahre lang gemobbt worden bin. Mittlerweile sage ich: Scheiß auf das! Seid, wie ihr seid!

Cool Mädchen: Falls du dich damit wohlfühlst: Magst du uns ein wenig von deinen eigenen Mobbing-Erfahrungen erzählen?

Joelle Christin: Ja, sicher! Es war wirklich schlimm. Ich habe keine einzige Woche ohne Selbstmordgedanken gehabt. Das hat in der Volksschule angefangen und sich bis in die erste Klasse in der HTL durchgezogen. Ich habe echt jeden Tag geweint, es waren brutale Einschläge. Ich habe viel Unterstützung von meiner Mama bekommen. Aber ich habe es geschafft, bin darübergestanden. Es hat mich sehr stark gemacht und ich bin froh darüber, zu sein, wer ich bin!

Cool Mädchen: Hast du jemals herausgefunden, warum du gemobbt wurdest?

Joelle Christin: Ich glaube, es war hauptsächlich Eifersucht. Meine Mama hat mich schon immer als Prinzessin behandelt und das tut sie heute noch. Sie ist immer hinter mir gestanden und darauf bin ich nicht nur stolz, sondern ihr bis heute super dankbar dafür!

Cool Mädchen: Stichwort „Female Empowerment“: Was wünschst du dir für Frauen und Mädchen im Jahr 2024?

Joelle Christin: Dass wir mehr zusammenhalten! Ganz wichtig ist mir das Thema Nächstenliebe, das habe ich auch bei der Wahl zur Miss Kärnten schon angesprochen. Es ist einfach so wichtig, dass wir alle zusammenhalten. Egal, ob bei Gewalt gegen Frauen oder anderen Themen, wir brauchen alle jemanden, mit dem wir reden können. Wir müssen die Erzählungen über Gewalt & Co. ernst nehmen und helfen, so gut es geht. Das ist das Wichtigste!

Cool Mädchen: Hast du als Miss Kärnten Möglichkeiten, anderen Frauen und Mädchen zu helfen?

Joelle Christin: Ich bin für jede da, die mir schreibt, das ist fix! Es gibt jetzt auch eine neue Gruppe auf Instagram, die heißt „Together Klagenfurt“. Da finden Mädels aus ganz Kärnten zusammen. Ich schreibe mit einigen von ihnen. Ich gebe auch viel Nachhilfe, speziell auch jungen Mädels, und versuche, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.

Cool Mädchen: Wo bist du in Kärnten am liebsten unterwegs?

Joelle Christin: Ganz klar am Wörthersee, vor allem im Sommer! Ich finde es total schön, da mit dem Boot zu fahren und den See dabei anzuschauen, wie er in der Sonne glitzert. Und ich bin generell gerne in Kärnten unterwegs und schaue mir immer wieder gerne Sehenswürdigkeiten an und genieße das.

Cool Mädchen: Wie soll es jetzt für dich weitergehen? Was möchtest du in Zukunft machen?

Joelle Christin: Vielleicht gehe ich zum Bundesheer und mache eine Offiziersausbildung. Ich möchte mir aber auf jeden Fall den Bereich Coaching genauer anschauen. Persönlichkeitsentwicklung in technischen Firmen wäre da cool, da ich ja auch eine HTL für Elektronik und technische Informatik abgeschlossen habe. Ich könnte mir auch gut vorstellen, nochmal für eine Zeit ins Ausland zu gehen, das habe ich schon einmal gemacht. Also mir steht zurzeit die Welt offen und ich glaube, man sollte das auch nicht zu eng sehen. Man muss das, was man jetzt macht, nicht sein ganzes Leben lang machen (grinst).