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Expelliarmus, Depressio!

Psychische Probleme von heute auf morgen einfach verschwinden lassen – das wäre schön! Leider werden sie vor allem bei jungen Menschen immer häufiger. Ein klarer Fall für: Harry Potter!

Psychische Probleme von heute auf morgen einfach verschwinden lassen – das wäre schön! Leider werden sie vor allem bei jungen Menschen immer häufiger. Ein klarer Fall für: Harry Potter!

Moment, was? Kein Scherz! Unser Lieblingsmagier Harry Potter kann tatsächlich psychische Probleme wegzaubern. Zumindest, wenn es nach Thomas Niederkrotenthaler und seinem Team an der MedUni Wien geht. Sie wollen in einer Studie nachweisen, dass der dritte Teil der Harry-Potter-Saga, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, die mentale Gesundheit von jungen Menschen verbessern kann. Die leidet nämlich nicht erst seit der Pandemie heftig. „Vergleicht man die Jahre 2010 und 2022, sehen wir eine deutliche Steigerung von depressiven Symptomen wie Einschlafschwierigkeiten, Nervosität und Niedergeschlagenheit bei Jugendlichen. Dazu tragen unter anderem die Klimakrise und ihre Folgen für die Lebensplanung bei, aber auch exzessive Smartphone-Nutzung und soziale Medien, wobei diese gleichzeitig Aufklärung und Vernetzung bieten können“, sagt uns Studienleiter Thomas Niederkrotenthaler im COOL-Interview.

Von Dementoren & Irrwichten

Neben einem guten sozialen Umfeld kann euch eine Psychotherapie dabei helfen, wieder mental stark zu werden. Oder eben Zauberlehrling Harry Potter. Dessen Erfinderin J. K. Rowling hat in ihrer Jugend auch unter psychischen Problemen gelitten und eine Therapie gemacht – ihre Erfahrungen hat sie in die Harry-Potter-Buchreihe einfließen lassen. Kleines Beispiel: Die Dementoren stellen die Symptome einer Depression dar und der Zauberspruch „Riddikulus“ bewirkt, dass sich ein Irrwicht in etwas Lustiges verwandelt, also Angst in positive Gefühle umgewandelt wird. „Harry Potter ist bei jungen Menschen nicht nur sehr beliebt, sondern kann auch als eine Geschichte gelesen werden, in der ein junger Schüler, der selbst mit seiner mentalen Gesundheit zu kämpfen hat, unterschiedliche Bewältigungsstrategien erlernt“, erzählt uns Thomas Niederkrotenthaler.

Eigener Harry-Potter-Lehrplan im Deutschunterricht

Er und seine Kollegen haben die positiven Effekte von Hogwarts & Co. schon vor ein paar Jahren wissenschaftlich nachweisen können. Das wollen sie jetzt im großen Stil wiederholen. Dazu soll an Schulen in ganz Österreich ein eigener Harry-Potter-Lehrplan für 11- bis 15-Jährige verwendet werden. Im Deutschunterricht wird „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ gelesen – die Auswirkungen auf die Schüler sollen vor dem Semester, währenddessen und danach untersucht werden. So wollen die Forscher nicht nur die psychische Gesundheit junger Menschen verbessern, sondern auch den sogenannten „Papageno-Effekt“ weiter untermauern. Dieser besagt, dass Menschen durch Erfolgsgeschichten, die sie über Medien mitbekommen, für sich Wege finden, wieder mehr Lebensfreude zu verspüren, so wie Papageno in Mozarts „Zauberflöte“.

Los geht‘s im Sommersemester 2025, mehr als 45 Klassen sind bereits mit dabei. Interessierte Lehrer und Direktoren können sich per Mail bei Studienleiter Thomas Niederkrotenthaler melden (thomas.niederkrotenthaler@meduniwien.ac.at). Im COOL-Interview appelliert Thomas Niederkrotenthaler abschließend: „Prävention, Prävention, Prävention! Je früher, desto besser – wir sollten noch viel mehr in präventive Maßnahmen investieren, damit gesundheitliche Probleme am besten erst gar nicht entstehen.“