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Mental Health – Wenn der Druck zu groß wird

„Mir geht’s gerade nicht gut…“ Hinter dieser Aussage steckt oft mehr. Es heißt manchmal gar nicht, dass du nur einen schlechten Tag hast, sondern dass deine Psyche und deine mentale Gesundheit wirklich leiden. Wir haben Expertinnen dazu befragt. Sandra Hermann und Anna Zanoll von der Frauen- und Mädchenservicestelle Innova haben Antworten.

„Mir geht’s gerade nicht gut…“ Hinter dieser Aussage steckt oft mehr. Es heißt manchmal gar nicht, dass du nur einen schlechten Tag hast, sondern dass deine Psyche und deine mentale Gesundheit wirklich leiden. Wir haben Expertinnen dazu befragt. Sandra Hermann und Anna Zanoll von der Frauen- und Mädchenservicestelle Innova haben Antworten.

 

COOL Mädchen: Immer mehr Jugendliche sprechen über Mental Health, aber was bedeutet dieser Begriff eigentlich?

Sandra Hermann: Das bedeutet übersetzt „psychische oder mentale Gesundheit“. Damit ist gemeint, wie es uns innerlich geht, also was wir fühlen, denken und wie wir mit dem Leben und seinen Herausforderungen klarkommen. Schule, Leistungsdruck, Freundschaften, Familie, Social Media, Zukunftsängste oder die eigene Identität – der Druck im Alltag ist häufig sehr groß und das kann schnell zu viel werden.

COOL Mädchen: Warum ist mentale Gesundheit so wichtig – vor allem bei Jugendlichen?

Sandra Hermann: In dieser Lebensphase passiert viel: Der Körper beginnt sich zu verändern, Freundschaften werden immer wichtiger. Starke Gefühle treten auf, wie zum Beispiel: Freude, Wut, Angst, Traurigkeit und auch Verliebtheit. Jugendliche sind stark gefordert, mit diesen neuen Situationen umzugehen. Gerade in diesem Alter ist es wichtig, dass Mädchen wissen: Ich bin OK, so wie ich bin. Ich darf über meine Gefühle
sprechen. Ich muss nicht alles allein lösen. Ich kann auch Unterstützung holen!

COOL Mädchen: Studien zeigen, dass Mädchen viel häufiger unter Stress, Ängsten oder Erschöpfung leiden. Warum ist das so?

Anna Zanoll: Vor allem soziale Medien können intensiv auf die mentale Gesundheit von Mädchen einwirken. Sie vergleichen sich mit unrealistischen Personen und Situationen. Mädchen grübeln außerdem viel, hegen oft Selbstzweifel. Das stresst und drückt auf die Stimmung.

COOL Mädchen: Spielt Social Media also eine wichtige Rolle, wenn es um Mental Health geht?

Anna Zanoll: Ja, definitv! Denn in Social Media werden Mädchen Probleme suggeriert, die sie eigentlich gar nicht haben, wie zum Beispiel über ihren Körper, ihr Aussehen, über ihr Verhalten und alltägliche Handlungen. Es wird vermittelt: Du bist nicht gut (genug), so wie du bist. Vor allem die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Jugendliche machen sich dann oft selbst Druck, wenn man perfekt sein oder machen will. Das löst bei vielen unglaublich viel Stress aus! Wichtig ist, dass die Motivation für Leistungen, Beziehungen und mein ICH von mir selbst kommt. Es darf also Freude machen, sich Ziele in der Schule und beim Sport zu setzen.

COOL Mädchen: Was passiert denn im Körper, wenn man dauerhaft unter Stress steht?

Anna Zanoll: Stress, der zum Beispiel durch ständige Bereitschaft oder Grübelei entsteht, beeinflusst den ganzen Körper. Wenn ich nie zur Ruhe und Entspannung komme, wirkt sich das gravierend auf die körperliche Gesundheit aus, wie z.B. auf das Immunsystem, die Organe und vor allem aber auch die psychische Verfassung.

COOL Mädchen: Wie merkt man, dass der eigene Akku langsam leer wird?

Anna Zanoll: Schlechter Schlaf, wenig oder übermäßiger Appetit, schlechte Verdauung, Reizbarkeit bis hin zu Aggression, dauernde Müdigkeit und Erschöpfung, schwaches Immunsystem. Oder, wenn du dauernd krank oder traurig bist.

COOL Mädchen: Kann man dann schon in jungen Jahren ein Burnout bekommen?

Sandra Hermann: Wenn sich Menschen über einen langen Zeitraum stark erschöpft oder überfordert fühlen und sich nicht mehr davon erholen, kann sich das wie ausgebrannt (ein Burnout) anfühlen. Es kann in jedem Alter auftreten, also auch schon mit 12 oder 13 Jahren. Wichtig ist: Wenn du merkst, dass dir alles zu viel ist, dann ist es wichtig, darüber zu sprechen. Hier kannst du dich ganz leicht an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle wenden. Dein Anliegen wird ernst genommen!

COOL Mädchen: Welche Warnsignale sollten Mädchen vorab schon ernstnehmen?

Sandra Hermann: Warnzeichen können Schlafprobleme, dauernde Müdigkeit und ständige Erschöpfung, Gereiztheit, Rückzug, Traurigkeit, anhaltende Konzentrations- und Motivationsprobleme sein. Es kann auch sein, dass auf einmal das Hobby keine Freude mehr bereitet. Hinweise können auch Kopf- und Bauschmerzen ohne klare körperliche Ursache sein. Dann ist es wichtig, genauer hinzuschauen und das mitzuteilen.

COOL Mädchen: Wann sollte ich mit jemandem über meine Sorgen sprechen?

Sandra Hermann: Du musst nicht warten, bis es dir richtig schlecht geht, bevor du über deine Sorgen sprichst. Wenn dich was lange beschäftigt und du ständig daran denken musst, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um darüber zu sprechen.

COOL Mädchen: Viele schämen sich, Hilfe zu suchen. Warum eigentlich – und warum ist das gar nicht peinlich?

Sandra Hermann: Weil sie glauben, alles allein schaffen zu müssen. Dabei ist es sehr mutig, sich mitzuteilen und zu sagen, dass es einem nicht gut geht. Hilfe suchen ist schon der erste Schritt zur Besserung.

COOL Mädchen: An wen können sich Mädchen wenden, wenn sie sich überfordert fühlen?

Sandra Hermann: Es ist schon hilfreich, sich an eine Freundin zu wenden. Mädchen können sich auch an eine Lehrerin ihres Vertrauens wenden. An vielen Schulen gibt es auch die Schulsozialarbeit, die ebenfalls ein offenes Ohr für die Anliegen von Mädchen hat.

COOL Mädchen: Welche drei Dinge helfen im Alltag am besten, um Stress abzubauen?

Sandra Hermann: Handy weglegen, tief durchatmen, innehalten und sich sagen: Ich muss nicht alles auf einmal schaffen! Und dann der Freude folgen: Am besten gleich drauflostanzen oder hüpfen. Einfach tun, was Spaß und Freude macht, wie z.B. tanzen, lesen, lachen, Musik laut aufdrehen, mit Freundinnen Zeit verbringen, kreativ sein. Einfach mal nichts Produktives tun.

Anna Zanoll: Bewegung in der NATUR! Spaziergänge im Wald. Das Naturdefizit hat enorme Auswirkungen auf unser Wohlbefinden.

COOL Mädchen: Gibt es kleine Übungen oder Tricks, die sofort helfen können, wenn man merkt: „Mir wird gerade alles zu viel“?

Sandra Hermann: 5-4-3-2-1: Schau dich um und benenne 5 Dinge, die du siehst, 4 Dinge, die du fühlst, 3 Dinge, die du hörst, 2 Dinge, die du riechst, und 1 Sache, die du schmeckst. Das bringt die Aufmerksamkeit zurück ins Hier und Jetzt.

COOL Mädchen: Wenn ihr allen Mädchen, die Probleme mit Mental Health haben, einen Rat mit auf den Weg geben könntet – welcher wäre das?

Sandra Hermann: Du bist genau richtig, so wie du bist. Du musst nicht perfekt sein und auch nicht allen gefallen. Hör auf dich selbst, nimm deine Gefühle ernst und hol dir Unterstützung, wenn dir etwas zu viel wird. Du bist mehr als deine Noten, dein Aussehen oder die Meinung anderer. Du bist ein Mensch mit deinen eigenen Stärken, Gefühlen, Wünschen und Grenzen. Und du hast das Recht, deinen eigenen Weg zu gehen!

Anna Zanoll: Leg das Handy und das Tablet weg! Mach täglich etwas Schönes, Kreatives, das dir eine tiefe Zufriedenheit beschert und ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, sodass du dich ganz lebendig und glücklich fühlst. Frage dich am Abend: Für welche drei Dinge bin ich vom heutigen Tag dankbar?

Unsere Expertinnen
Dr.in rer.nat Sandra Hermann, MA und MSc Anna Maria Zanoll arbeiten als Beraterinnen und Trainerinnen in den innova Frauen*- und Mädchen*beratungsstellen mit jahrelanger Erfahrung und umfangreichem Expertinnenwissen. Ihre Schwerpunkte liegen in der psychischen und physischen Gesundheit sowie der Mädchenberatung zu allen Anliegen. Viele Mädchen kommen mit Themen wie Mobbing in der Schule, Konflikten mit Freundinnen oder Problemen in der Familie. Auch psychische Belastungen wie Panikattacken, Depressionen, Zukunftsängste oder Essstörungen wie Magersucht und Bulimie werden offen angesprochen. Beratungstermine von innova können in Feldbach, Mureck, Weiz und Gleisdorf angeboten werden, können aber auch online oder telefonisch stattfinden. Alle Beratungen sind kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Das Ziel ist es, Mädchen und Frauen zu stärken und auf den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Hier sind wird

8330 Feldbach, Hauptplatz 30, 2. Stock
8160 Weiz, Franz Pichlerstraße 28, 3. Stock
8480 Mureck, Griesplatz 1, 1. Stock
8200 Gleisdorf, Businesspark 6, Parterre

Telefon:

03152 395 54 -0
0677 62 39 81 -86 / -87

E-Mail: office@innova.or.at

Eine Interviewreihe in Kooperation mit der innova Frauen* & Mädchen* Servicestelle.