© Marvin Drechsel | Text: Leo Kulidjanov

Eddin: „Wow, endlich mal einer von uns, der was reißt!“

Mit seiner Single „I Ke Harru“ (übersetzt: „Du hast vergessen“) ist Eddin vor einem halben Jahr durchgestartet: Über 14M Streams auf Spotify sprechen für sich. Weitere Tracks brachten dem erst 23-Jährigen solide 140K an TikTok-Followern und 3.1M Likes ein. Was 2013 mit Freestyle-Rap im beschaulichen Jugendzentrum begann, scheint sich allmählich bezahlt zu machen. Derzeit bastelt der junge Deutsch-Bosnier fleißig an seiner Debüt-EP, und nahm sich nach einer Studio-Session auch noch Zeit für sein erstes COOL-Interview.

Mit seiner Single „I Ke Harru“ (übersetzt: „Du hast vergessen“) ist Eddin vor einem halben Jahr durchgestartet: Über 14M Streams auf Spotify sprechen für sich. Weitere Tracks brachten dem erst 23-Jährigen solide 140K an TikTok-Followern und 3.1M Likes ein. Was 2013 mit Freestyle-Rap im beschaulichen Jugendzentrum begann, scheint sich allmählich bezahlt zu machen. Derzeit bastelt der junge Deutsch-Bosnier fleißig an seiner Debüt-EP, und nahm sich nach einer Studio-Session auch noch Zeit für sein erstes COOL-Interview.

 

Cool: Dein Künstlername lautete ursprünglich Eddin717, in Anlehnung an die Postleitzahl deines Berliner Heimatbezirks, Charlottenburg. Zudem wird in deinem Pressetext stolz betont, du seist Charlottenburger mit Leib und Seele. Wie kann man sich das Leben in deiner Hood vorstellen?

Eddin: Puh, also zunächst einmal ist Charlottenburg ein wichtiger Knotenpunkt – es liegt fast genau in der Stadtmitte, und man kommt von dort überall schnell hin. Es ist eine sehr schöne Multikulti-Gegend, sehr belebt, mit vielen jungen Menschen. Kurz gesagt: „Mitten im Leben!“ (lacht) Wobei ich dazu sagen muss: wir sind zwar nicht wie Berlin-Neukölln, aber auch Charlottenburg hat so seine ghettomäßigen Seiten. Zum Beispiel: Du siehst Jungs in deiner Nachbarschaft, die einen fetten Benz fahren, viel Kohle haben und dann auf einmal „Bam!“ – die Handschellen klicken – und die sind weg vom Fenster. So gesehen, ist das Leben dort gewissermaßen eine Mischung aus Problembezirk und Highlife.

Cool: Du bist zwar gebürtiger Berliner, hast aber dennoch einen starken Bezug zu deinen Balkan-Wurzeln. Deine bis dato erfolgreichste Single heißt „I Ke Harru“, was interessanterweise nicht Bosnisch, sondern Albanisch ist.

Eddin: Stimmt! (schmunzelt) Ich hab’ ja seit der Kindheit viele albanische Freunde, höre privat gern albanische Mucke, und geographisch sind wir Bosnier und Albaner ja praktisch Nachbarn!

Cool: Was magst du an der bosnischen Kultur am meisten?

Eddin: Allen voran, die Offenheit und die Herzlichkeit der Menschen! Das ist halt die berühmte Südländer-Gastfreundschaft, die ich in Berlin leider manchmal vermisse. Ach ja, und unsere Balkan-Küche ist natürlich top!

Cool: Siehst du dich als ein Sprachrohr für die bosnische Community in Deutschland?

Eddin: Es macht mich natürlich stolz wenn meine Landsleute mir öfters auf Social Media schreiben: „Wow, endlich mal einer von uns, der was reißt!“ – gar keine Frage. Aber grundsätzlich sehe ich mich in der Verantwortung, wirklich allen Menschen mit meiner Musik etwas Positives zu geben, unabhängig von wo sie kommen.

Cool: Lass uns über deine kommende Debüt-EP sprechen.

Eddin: Sehr gerne! (lacht) Auf der Platte werden Minimum zehn Songs drauf sein – inklusive drei Features. Eines kann ich jetzt schon verraten, und zwar ist es Milano. Mit den anderen beiden Featuregästen, möchte ich die Leute überraschen! … Der Arbeitstitel lautet tatsächlich „717“ – aber sobald wir alle Tracks gebacken kriegen, werd’ ich mir überlegen welcher Titel zum roten Faden passt. Musikalisch werden meine beiden Hausproduzenten, Perino & Angelo aus der Schweiz, den Großteil der Beats abliefern. Und was das Releasedate anbelangt, so denken wir ans Jahresende.

Cool: Mal abgesehen von deinen Streamingerfolgen – was waren die Highlights deiner bisherigen Rap-Karriere?

Eddin: Für mich ist es praktisch jedes Mal ein Highlight, jene Rapper persönlich zu treffen die ich seinerzeit als Teenager gefeiert hab! Sei es, ob wir gemeinsam im Studio aufnehmen oder einfach nur privat chillen. Einige der Jungs, die ich in diesem Zusammenhang nennen kann, sind P.A. Sports, Fard und Anonym – den Samra auf seinem Label gesignt hat. Ich hab’ mich echt gefreut als Anonym mich nach ‘nem Feature gefragt hat und wir daraufhin den Track „Engel ohne Flügel“ released haben. Zu Fard und P.A. Sports hab’ ich ebenfalls einen sehr guten Draht, und bin auch immer wieder dankbar von ihnen Feedback zu bekommen, da ich die beiden zu meinen Rap-Vorbildern zähle.

Cool: Welche Kern-Message möchtest du deinen Fans mitgeben?

Eddin: In meinen Songs geht’s ja oft um schwere Gefühle: Liebe, Trauer, Herzschmerz, usw. Es ist einfach ein Teil des Menschseins, der uns ständig begleitet. Somit möchte ich meiner Hörerschaft vermitteln, dass die nicht alleine sind, wenn’s im Leben – wieder mal – schief läuft. Und, dass es doch noch irgendwann bergauf geht!

Cool: Wo siehst du dich in etwa fünf Jahren?

Eddin: Der große Traum ist natürlich, irgendwann mit Jungs wie eben Fard oder P.A. Sports, auf einer Stufe zu stehen – vielleicht sogar gemeinsam auf der Bühne. Dabei ist mir wichtig, zeitlose Mucke rauszubringen, die auch in zehn bis zwanzig Jahren noch gehört wird. Also nicht diesen „One-Hit-Sellout“, sondern vielleicht auch mal versuchen, einen krassen Song zu schreiben, der möglicherweise die nächste Generation von Jugendlichen prägt. Das wären meine langfristigen Ziele.