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Abtreibungsrecht: Alles was du wissen musst

In den Vereinigten Staaten hat der Oberste Gerichtshof Ende Juni das landesweite Recht auf Abtreibung gekippt. Was das bedeutet, wie die Situation in Österreich ist und was US-Psychotherapeutin Susan Broner (hier kommst du zum Interview) dazu sagt, haben wir für dich in Erfahrung gebracht.

In den Vereinigten Staaten hat der Oberste Gerichtshof Ende Juni das landesweite Recht auf Abtreibung gekippt. Was das bedeutet, wie die Situation in Österreich ist und was US-Psychotherapeutin Susan Broner (hier kommst du zum Interview) dazu sagt, haben wir für dich in Erfahrung gebracht.

Am 24. Juni kippte der Oberste Gerichtshof der USA das liberale Abtreibungsrecht. „Roe v. Wade“ heißt das Grundsatzurteil, das seit 1973 Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche legalisiert hat. Bis jetzt. Der Supreme Court entschied Ende Juni, dass jeder Gesetzgeber der 50 Staaten in Zukunft selbst festlegen soll, welche Abtreibungsrechte dort gelten sollen. Angekündigt hat sich diese Änderung bereits einen Monat zuvor, als der Entwurf eines richterlichen Gutachtens die Runde machte. Wichtig: US-Präsident Joe Biden hat mit dem gekippten Urteil übrigens nichts zu tun. Er und viele Befürworter von Abtreibungsrechten warnen sogar vor der Aufhebung des Urteils. Denn die Tatsache, dass „Roe vs. Wade“ gekippt wurde, zeigt, dass der Oberste Gerichtshof auch bereit sein könnte, Gerichtsbeschlüsse wie die LGBTQIA-Ehe oder das Recht auf Verhütung einzuschränken. Das wäre ein großer Schritt weg von der amerikanischen Freiheit.

Seit dem Beschluss gingen bereits Tausende auf die Straße, um gegen die Gesetzesänderung zu protestieren. Am 19. Juli wurde die Abgeordnete und US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez sogar verhaftet, weil sie und andere Demonstrierende die Straße zwischen dem US-Kapitol und dem Supreme Court in Washington D.C. nicht räumen wollten. Viele US-Amerikaner fürchten durch das Urteil eine bittere Zukunft. Laut „Washington Post“ sollen sich die Abtreibungsrechte in mindestens 19 Staaten verschärfen. Während sich die Gouverneure in Massachusetts und New York liberal zeigen, drohen Ärzten, die beispielsweise in Missouri oder Ohio Abtreibungen durchführen, lange Gefängnisstrafen.

Ein besonders krasser Fall: Eine Zehnjährige wurde in Ohio vergewaltigt, wodurch eine Schwangerschaft entstand. Der Staat beschloss am 25. Juni jedoch keine Abtreibungen mehr nach der sechsten Schwangerschaftswoche zuzulassen – dem Zeitpunkt, an dem die meisten Frauen erst erfahren, dass sie schwanger sind. Das Mädchen musste für die Abtreibung nach Indiana reisen. Die durchführende Ärztin in Indiana soll jedoch weder den Eingriff noch den Missbrauch an dem Mädchen gemeldet haben. Nun soll die Abtreibung für die Ärztin sogar ein juristisches Nachspiel haben.

ABTREIBUNGEN IN ÖSTERREICH

Wer denkt, Österreich sei im Vergleich zu den USA super offen und schütze die Rechte von gebärfähigen Menschen, der irrt leider. Wir haben die wichtigsten Infos für dich zusammengefasst.

Wusstest du, dass…

… Abtreibungen in Österreich bis heute illegal und nur straffrei sind?
… jede vierte Frau in Österreich abtreibt?
… jährlich etwa 35.000 Abtreibungen in Österreich durchgeführt werden?
… eine Abtreibung in Österreich zwischen 350 und 800 Euro kostet?

So läuft ein Schwangerschaftsabbruch ab

Ungeplant schwanger? Keine Sorge. Für diesen Fall gibt es in Österreich unzählige Beratungsstellen. Merk dir: Das Personal will dir helfen und am Ende bist du diejenige, die sich für oder gegen eine Schwangerschaft entscheidet. Solltest du über eine Abtreibung nachdenken, haben wir für dich grob den Ablauf zusammengefasst.

1. Mach dir einen Termin bei einer gynäkologischen Praxis aus. Die bestätigt deine Schwangerschaft und führt die Einschätzung der Schwangerschaftswoche (genannt SSW) durch.

2. Rechne dir aus, wie lange du noch abtreiben darfst. In Österreich sind Abbrüche bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich.

3. Führe ein Gespräch mit deiner Mama, deiner BFF, dem potentiellen Vater des Kindes und/oder einer außenstehenden Beratungsstelle.

4. Du entscheidest dich für eine Abtreibung? Dann gehe für ein Vorgespräch und eine Untersuchung zu der Gynäkologin oder dem Gynäkologen, die oder der den Eingriff bei dir durchführen wird.

5. Bis zur 7. SSW gibt es die medikamentöse Abtreibung, bei der mehrere Tabletten eingenommen werden und Embryo und Plazenta daraufhin durch die Vagina ausgeschieden werden. Ab der 7. SSW werden üblicherweise operative Abtreibungen unter Narkose durchgeführt. Der Embryo wird bei der Absaugung durch einen Schlauch entfernt. Die früher häufig durchgeführte Kürettage, bei der mit einem löffelartigen Instrument die Gebärmutter ausgeschabt wird, wird aufgrund einer höheren Komplikationsrate nicht mehr empfohlen.

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Beratungsstellen Österreich:

• Netzwerk Frauenberatung
• Pro Femina
• Österreichische Gesellschaft für Familienplanung in Wien
• Pro:woman Ambulatorium Sexualmedizin und Schwangerenhilfe
• Woman & Health
www.abtreibung.at/beratungsstellen-in-ganz-osterreich
www.familienberatung.gv.at