© Felix Werinos

Es macht wieder „Sinn“: Tagtraeumer sind zurück!

Vor fünf Jahren haben Tagtraeumer ihre letzte Single veröffentlicht und danach eine Pause eingelegt. Nun ist die heimische Erfolgsband mit dem neuen Song “Alles und Mehr“ zurück. Wir haben mit Tom und Kevin gesprochen.

Vor fünf Jahren haben Tagtraeumer ihre letzte Single veröffentlicht und danach eine Pause eingelegt. Nun ist die heimische Erfolgsband mit dem neuen Song “Alles und Mehr“ zurück. Wir haben mit Tom und Kevin gesprochen.

 

Cool: In den letzten fünf Jahren habt ihr beide in COOL-Interviews (Tom und Kevin) gesagt, dass ein Tagtraeumer-Comeback sehr unwahrscheinlich sei, warum seid ihr nun doch wieder da?

Tom: Weil wir gelogen haben. Nein, Spaß (lacht). Wir, also Kevin und ich, haben uns tatsächlich nur ein Mal wiedergetroffen. Das war vor zwei, drei Jahren in Lignano. Ein paar Spritzer später haben wir beschlossen, das machen wir. Das ist die Kurzfassung.

Kevin: Ich übernehme die Langfassung (lacht). Also unser Techniker Roli, der mehr Tagtraeumer-Fan ist als wir alle zusammen und für das Projekt einfach brennt, hat in all den Jahren immer wieder versucht, Tom und mich zu verkuppeln. Er hat immer wieder gesagt: „Komm, redet‘s mal miteinander.“ Vor zwei, drei Jahren hat er dann seinen 30er in Lignano gefeiert, einen Nightliner gemietet und neben vielen Freunden auch Tom und mich unabhängig voneinander eingeladen. Und da haben wir dann endlich geredet, uns ausgetauscht und viel reflektiert über die Vergangenheit – darüber, was vielleicht falsch gelaufen ist und was man hätte besser machen können. Und da sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir wieder was gemeinsam machen sollten.

Tom: Wir haben da aber nicht gleich gesagt: Okay, wir starten jetzt wieder Tagtraeumer. Ich habe Kevin danach in Graz im Studio besucht, wir haben zum Beispiel für den Song „Wo es beginnt“ von PLUS zusammengearbeitet. Ich glaube, das war sogar unsere erste Session. Wir wollten einfach probieren, ob es zwischen uns passt, haben uns immer öfter getroffen, hatten Zoom-Sessions und so haben wir uns einander wieder angenähert.

Cool: War das Aus damals also doch wegen euch Zwei? Der offizielle Grund waren ja immer „künstlerische Differenzen“.

Kevin: Künstlerische Differenzen, ja, das haben wir immer gesagt, aber nein! Bei uns hat einfach die Kommunikation nicht funktioniert. Wir waren emotional noch relativ unreif, es hat Grüppchenbildung gegeben…

Tom: Das größte Problem war, dass wir nicht vernünftig miteinander geredet haben. Wie in einer Beziehung wenn man nichts sagt und alles in sich hineinfrisst bis es explodiert. Hättest du mich vor sechs Jahren gefragt, wie es Kevin geht, dann hätte ich es dir nicht beantworten können. Wir sind reifer geworden, kommunizieren jetzt viel besser und ich finde das richtig schön. Ich hab zum Beispiel gestern random mit Tobi auf WhatsApp geschrieben, letztens mit Matthias telefoniert… das hätte es früher so gar nicht gegeben.

Cool: Warum sind Matthias und Alex nicht mehr dabei?

Tom: Das ist eine interessante Frage. Also bei Matthias ist wahnsinnig viel passiert und er hat einfach tatsächlich keine Zeit mehr dafür. Er war ja schon damals Biobauer, hat nach dem Tagtraeumer-Ende seine Landwirtschaft noch vergrößert, er heiratet bald. Matthias war schon immer der Erwachsenste von uns und er ist noch erwachsener geworden (lacht).

Kevin: Ich glaube, er hat grundsätzlich eine andere Vorstellung vom Leben und ganz andere Prioritäten. Das ist nur eine Mutmaßung. Kevin L. mutmaßt (lacht).

Tom: Für mich war vor dem Neustart wichtig, und ich glaube, da denken Kevin und Tobi genauso, dass alle, die jetzt dabei sind, die Zeit und auch Bock darauf haben, zu einhundert Prozent für das Projekt zu brennen und es auch wirklich musikalisch fühlen. So hat sich die jetzige Konstellation ergeben. Obwohl Tobi Polizist in Wien ist, nebenbei noch studiert und unglaublich busy ist, war er sofort am Start.

Cool: Habt ihr die Auszeit gebraucht, um eure Erfolge und auch das Projekt Tagtraeumer wieder mehr wertzuschätzen?

Tom: Auf jeden Fall. Ich muss sagen, es war für mich als Songwriter so, dass ich mich nach Tagtraeumer unbedingt von diesem Tagtraeumer-Sound lösen wollte. Ich wollte das nicht mehr, wollte lieber ein bisschen mehr Rap oder sonst was machen und das hat mich dann in ein sehr tiefes Loch gerissen, weil ich nichts auf die Reihe gekriegt habe. Und je besser ich wieder ins Schreiben gekommen bin, desto mehr hat es nach Tagtraeumer geklungen. Das ist das Natürlichste was aus mir rauskommt und es macht dann einfach Sinn, das zu machen.

Kevin: Bei mir ist in den fünf Jahren auch extrem viel passiert. Ich habe mit LOST ein Solo-Album veröffentlicht, das mir unheimlich am Herzen lag, weil ich schon immer auch gerne auf Englisch geschrieben habe. Diese Songs zu veröffentlichen, die ich immer in der Schublade hatte, und zu zeigen, dass ich sowas auch… oder halt nicht nur Tagtraeumer kann, war mir wichtig. Dann hatte ich 2020 eine richtig schwere Depression, bin nach Berlin übersiedelt, Trennungen, es war wirklich viel los. Und dennoch habe ich fast täglich an die Tagtraeumer-Zeit gedacht – wie schön es auf der Bühne war, was wir alles erlebt haben. Und es hat richtig geschmerzt, dass wir so ein geiles Projekt einfach weggeschmissen haben.

Cool: Wann ist das Comeback dann wirklich konkret geworden?

Tom: Ich glaube, letztes Jahr im August war der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben: Wir wollen den Neustart. Im Herbst hatten wir dann erste Songwriting-Sessions, wo auch schon die jetzige Single „Alles und Mehr“ entstand und seit dem gibt‘s für mich nur Vollgas. Also ich brenne wieder richtig dafür. Deshalb war es auch ein wenig strange (lacht) … einige werden es ja wissen, aber ich habe dieses Jahr im März ja auch mein Solo-Album „Vollmond“ releast, weil das schon fertig und so geplant war – aber da wusste ich ja schon, dass wir wiederkommen (grinst).

Cool: Wie ist „Alles und Mehr“ entstanden? Habt ihr lange überlegt, wie euer Comeback klingen sollte?

Tom: Also ich würde meinen, es ist einfach passiert. Wir haben uns da gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht, wie die Tagtraeumer 2023 klingen sollten.

Kevin: Das ist das Schönste daran, es ist null verkopft. Der Song ist vielleicht ein bisschen rauer und schließt eher am ersten Tagtraeumer-Album an als am letzten, aber völlig unbewusst. Wir haben nie überlegt, den Sound künstlich zu verändern oder zu modernisieren, weil es einfach gepasst hat. Und ich habe schon immer gesagt: Wo Tagtraeumer drauft steht, ist Tagtraeumer drin (lacht).