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Lena Kemmer: Das schnellste Mädchen Österreichs

Die 19-jährige Steirerin startet in diesem Jahr als allererste Österreicherin bei der Frauen-Motorrad-Weltmeisterschaft. Wir haben bei Lena gleich mal nachgefragt.

Die 19-jährige Steirerin startet in diesem Jahr als allererste Österreicherin bei der Frauen-Motorrad-Weltmeisterschaft. Wir haben bei Lena gleich mal nachgefragt.

 

Cool Mädchen: Du fährst als erste Österreicherin bei einer Frauen-Motorrad-WM. Was bedeutet dir das und welche Chancen rechnest du dir aus?

Lena Kemmer: Das ist einfach nur richtig geil (lacht). Sein Land bei einer WM zu vertreten, ist auf jeden Fall sehr besonders. Ich werde mein Bestes geben, für Österreich und natürlich auch für meine Heimatgemeinde Fernitz-Mellach – unser Bürgermeister ist auch schon ganz aufgeregt. Im Mai gibt’s die ersten Testfahrten, dann werden wir mal sehen, wo ich stehe, aber mein Ziel wären die Top-10. Ein Podium wäre unfassbar geil, aber man muss auch realistisch bleiben.

Cool Mädchen: Wie bist du eigentlich zum Motorradfahren gekommen?

Lena: Ich war schon von kleinauf an der Rennstrecke, weil mein Papa bis 2016 auch selbst gefahren ist. 2009 hat er zum Beispiel den Yamaha-R6-Dunlop-Cup gewonnen. Mein Cousin fährt Langstrecken-WM. Wir sind eine Rennsportfamilie (grinst). Ich habe aber tatsächlich erst 2018 angefangen, weil mich meine Eltern vorher nicht fahren lassen haben. Mit dem Pitbike habe ich dann relativ schnell schon mit den Männern mithalten können und von da an ging es einfach stetig weiter.

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Cool Mädchen: Aufgrund deines Alters hast du den großen A-Motorradführerschein noch gar nicht, fährst aber jetzt WM…

Lena: Das mit dem Motorradführerschein ist wirklich eine witzige Situation (lacht). Es war schon beim Mopedführerschein so, dass ich zu dem Zeitpunkt schon viel Pitbike gefahren bin, deshalb waren die Fahrstunden ein bisschen fad für mich (lacht). Aber es ist das Gesetz und Straßenverkehr ist natürlich etwas anderes als auf der Rennstrecke. Trotzdem waren die Fahrstunden beim A1- und dann vor allem beim A2-Schein sehr sehr lustig, wenn du als Rennfahrerin plötzlich langsam Achterschleifen auf dem Parkplatz fahren musstest (lacht). Aber ich habe es gemacht wie jede und jeder andere auch, es gibt da keine Vorteile… und im kommenden Sommer mache ich dann noch den großen A-Schein. Ich bin schon gespannt (lacht).

Cool Mädchen: Kann man den Sport eigentlich mit dem Motorradfahren auf der Straße vergleichen?

Lena: Nein, weil im Sport ist ja alles darauf ausgelegt, um schnell zu fahren. Es gibt Sturzzonen, keinen Gegenverkehr, keine Leitschienen, Bäume oder Hausmauern. Auf der Straße kannst du nicht schnell fahren bzw. du kannst schon, aber es ist einfach dumm. Wer schnell fahren will, der soll auf die Rennstrecke!

Cool Mädchen: Was sagen eigentlich deine Eltern dazu?

Lena: Wie ich vorher schon erwähnt habe, wollten sie mich anfänglich gar nicht fahren lassen, aber nicht nur wegen der Gefahren, sondern auch weil sie wissen wie viel Zeit und Aufwand in einer Rennsportkarriere steckt. Man muss immer pushen, noch mehr trainieren. Ich opfere meine komplette Freizeit, gehen nebenbei noch arbeiten – will heuer den KFZ-Meister und die Matura machen – und schupfe den Haushalt, deshalb waren sie schon skeptisch. Aber seit sie wissen, wie wichtig es mir ist, unterstützen sie mich zu hundert Prozent.

Cool Mädchen: Was ist das Wildeste, das dir passiert ist? Kannst du dich an deinen ersten Sturz erinnern?

Lena: Im Vorjahr habe ich mir beim Freien Training in Valencia bei einem Highsider einen Knöchel an der Hand gebrochen, bin aber das restliche Rennwochenende mit geschwollener Hand und Schmerzen durchgefahren. Das gehört für mich einfach dazu. Man muss ans Limit gehen, um zu wissen wo da das Limit ist. An meinen ersten Sturz kann ich mich auch noch erinnern: Das war auf der Kartbahn in Rechnitz im Burgenland bei meinem allerersten Rennen im Austrian Junior Cup. Ich war total aufgeregt und dürfte dann scheinbar vergessen haben zu atmen, auf alle Fälle bin ich auf der Maschine bewusstlos geworden, habe ich mich vorwärts überschlagen und bin dann im Kiesbett gelegen wie ein Schnitzel (lacht). Ah, und mit 13 hab ich mir am Acker mit der Motocross mal den Oberschenkel gebrochen.

Cool Mädchen: Motorsport ist für viele noch eher ein Männer/Jungsding. Mit wie viel Geschlechterkampf und Klischees musstest du bereits umgehen?

Lena: Dass im Motorsport mehr Männer und Buben fahren, ist schade, aber das lässt sich nicht abstreiten. Ich hoffe aber, dass sich das ändert und wir zeigen können, dass Frauen auch fahren können. Klar, es gibt körperliche Grenzen, deshalb sieht man auch keine Frauen in der MotoGP, bei der Superbike-WM oder in der Formel-1, aber hoffentlich ändert sich das noch. Ich selbst bin im Austrian Junior Cup auch zwei Saisonen mit Jungs gefahren, und es macht schon Spaß, wenn man die Buben ein bisschen ärgern kann (lacht). Vor allem wenn sie überholt wurden, gab es einige Situationen, wo sie dann zu viel Gas gegeben und deswegen einen Unfall gebaut haben. Ansonsten war das mit den Jungen aber gar kein Problem –am ehesten sind es die älteren Männer, von denen es blöde Kommentare gibt. Aber ich hätte es mir schlimmer vorgestellt.

Cool Mädchen: Bist du ein Beweis dafür, dass Mädchen alles schaffen können?

Lena: Das würde ich nicht sagen, aber ich will ein Vorbild dafür sein, dass man als Mädchen sowohl in einem männerdominierten Sport als auch Beruf, ich bin ja KFZ-Technikerin/Systemelektronikerin bei AVL, bestehen kann. Am wichtigsten ist, dass ihr selbstbewusst an die Sache rangeht, alles andere ist egal. Mädels, macht das, was euch Spaß macht!