Als meistgestreamtes Popsternchen Österreichs braucht Esther Graf eigentlich kein Vorwort, oder? Sich auf den Lorbeeren ausruhen ist für die gebürtige Kärntnerin dennoch ein No-Go, zumal in diesem Monat ihre zweite Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz losgeht. Unser Wiener Korrespondent Leo sprach mit der netten Senkrechtstarterin über ihr neues Album, den Kurztrip nach New York, und vieles mehr!
Cool: Bei unserem Interview im Februar war Platz 65 noch dein höchster Charteinstieg. Und nun sitzt uns eine junge Dame gegenüber mit über 2 Millionen monatlichen Hörer*innen!
Esther Graf: Na, das ist doch ‘ne Ansage (schmunzelt). Mir ist halt ein Hammer-Feature mit SDP und Sido gelungen – daher der Quantensprung (lacht). Als wir im Studio waren, war ich natürlich super aufgeregt, da sowohl Sido als auch Vincent (Anmerk.: Vorname des Produzenten/Songwriters Beatzarre) waschechte Deutschrap-Legenden sind. An Verkaufszahlen hab ich gar nicht gedacht, denn ich fand’s in erster Linie voll spannend mit Leuten zusammen zu arbeiten, die so viel an Erfahrung und Know-How mitbringen!
Cool: Stichwort: Features. Wie kam die Collabo mit Bausa zustande?
Esther: Das lief über unseren gemeinsamen Produzenten Menju. Ich war wieder mal bei ihm in Stuttgart und er hat netterweise ‘ne gemeinsame Studio-Session organisiert. Die Chemie zwischen mir und Baui hat sofort gestimmt, und so kam’s zum Feature. Das war ebenfalls ein großes Highlight, da ich privat total auf seine Mucke stehe und ihn auch als Mensch faszinerend finde.
Cool: Du wirst mittlerweile gern als „die deutschsprachige Avril Lavigne“ bezeichnet und hast dich mal selbst als großer Avril-Lavigne-Fan geoutet. Was fasziniert dich an ihrer Person?
Esther: Sie war damals eine der wenigen, die so richtig freche und unangepasste Mucke gemacht hat. Und das fand ich mega cool! Ich muss vielleicht dazu sagen, dass ich alterstechnisch noch zu jung dafür war, aber ich hab ältere Geschwister, die große Avril-Lavigne-Fans waren, und von daher hat mich Pop-Punk praktisch seit frühester Kindheit begleitet.
Cool: Als Avril Lavignes Debütalbum „Let Go“ rauskam, warst du gerade mal dreieinhalb Jahre alt…
Esther: (alle lachen) Ja, ja, … also ich hab während meiner Volksschulzeit die alten MP3-Player von meinen Geschwistern durchgehört und in der Playlist meines Bruders gab’s hauptsächlich Avril, Green Day und Sum 41 – und bei meiner Schwester Britney Spears & Co. Ich mein, grundsätzlich mögen Artists es nicht, mit ihren Kollegen/Konkurrenten verglichen zu werden, aber für mich ist es eine große Ehre, wenn ich als „die deutschsprachige Avril Lavigne“ wahrgenommen werde!
Cool: Weltberühmte Pop-Punker wie eben Avril Lavigne oder blink-182 verkaufen heute einen Bruchteil dessen, was vor 20 Jahren der Fall war. Was sagt du dazu?
Esther: Also, dass jene Bands überhaupt noch im Mainstream stattfinden, ist eine Errungenschaft an sich! Denn in unserer schnelllebigen Zeit ist es nicht selbstverständlich, dass ein Act 20 Jahre nach seinem Zenit, immer noch die Wiener Stadthalle füllt. Was meine Generation betrifft, sehen wir beispielsweise an Olivia Rodrigo oder teilweise auch an Tate McRae, dass Pop-Punk gerade ein krasses Revival erlebt. Das gibt mir Zuversicht auf dem richtigen Weg zu sein. Vor allem wenn ich auf meinen Konzerten sehe, dass auch gerne Leute 30+ vorbeischauen (schmunzelt).
Cool: Der Videoclip zu „star potential“ wurde in New York gedreht. Welche Eindrücke hast du mit nach Hause genommen?
Esther: Boah, ich war natürlich extrem überwältigt! Einerseits, weil ich noch nie in den USA war und andererseits, weil ich mir in den drei Tagen, wo ich dort war, ziemlich viel vorgenommen hatte. Wegen dem Videodreh ist das Sightseeing-Programm leider etwas zu kurz gekommen, aber SoHo in Lower Manhattan ist definitiv zu meinem Lieblings-Hotspot geworden. Ich liebe es zu shoppen und dort gibt’s wirklich alle Läden, die man sich nur vorstellen kann! Ich hab mir natürlich auch die gute Ami-Küche gegönnt – vom Corndog bis zu klassischen Pancakes. Wär ich dort ‘ne Woche länger geblieben, wär ich wahrscheinlich doppelt so dick nach Hause gekommen (lacht).
Cool: Apropos USA… vor 40 Jahren hat Falco mit „Rock me Amadeus“ einen Nr. 1 Platin-Hit in den USA gelandet – als erster und bislang einziger Österreicher, wohlgemerkt. Glaubst du, dass dir das irgendwann ebenfalls gelingen könnte?
Esther: Puh, also rein theoretisch ist es möglich, wenn man bedenkt dass wir heute technologische Mittel haben, von denen wir vor 40 Jahren nichtmal zu träumen wagten! Aber in meinem Fall, wäre das die sprichwörtliche Zukunftsmusik, da ich gerade erst mein Debütalbum releast hab. Zudem bin ich ja ‘ne deutschsprachige Künstlerin, und wenn wir schon von Platin-Hits sprechen, so ist der deutschsprachige Raum mein erklärtes Ziel.
Cool: Wie unterscheidet sich die Privatperson Esther Graf von der Kunstfigur?
Esther: Ich glaube, wenn man meine Musik hört, könnte man denken, dass ich viel Wut in mir habe, vorallem auf meine Exes. Dabei bin ich als Privatperson ziemlich entspannt. Die Musik ist mein Ventil, dementsprechend bin ich sonst sehr ausgeglichen.
