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„Schick doch mal was Heißes“

Viele Jugendliche verschicken Nacktfotos, schreiben Sex-Nachrichten hin und her oder leiten pikante Bilder von anderen weiter. Dabei ist aber wirklich große Vorsicht geboten, denn häufig ist das Verschicken solcher Inhalte mit Risiken verbunden, die du unbedingt kennen solltest! Wir haben bei Expertin Sandra Hermann von innova gesprochen nachgefragt.

Viele Jugendliche verschicken Nacktfotos, schreiben Sex-Nachrichten hin und her oder leiten pikante Bilder von anderen weiter. Dabei ist aber wirklich große Vorsicht geboten, denn häufig ist das Verschicken solcher Inhalte mit Risiken verbunden, die du unbedingt kennen solltest! Wir haben bei Expertin Sandra Hermann von innova gesprochen nachgefragt.

 

COOL Mädchen: Alle tun es irgendwie… aber was heißt denn eigentlich Sexting?

Sandra Hermann: Der Begriff Sexting setzt sich aus den Wörtern Sex und Texting zusammen. Sexting ist also, wenn Nachrichten sexuelle Anspielungen, Flirts oder intime Fantasien enthalten. Wenn erotische oder aufreizende Fotos oder Videos geteilt oder verschickt werden – egal, ob mit oder ohne Nacktheit. Und wenn Sprachnachrichten oder Emojis in einem sexuellen Zusammenhang genutzt werden.

COOL Mädchen: Beinhaltet das also auch das Verschicken von Nudes? Und was sind Nudes überhaupt?

Sandra Hermann: „Nudes“ bedeutet Nackt- oder Aktfotos von Personen und gehören zum Sexting oft dazu. Im Internet wird oft auch die Redewendung „Send Nudes“ benutzt – sie bedeutet, dass jemand darum bittet oder auffordert, Nacktbilder von sich oder bestimmten Körperstellen zu schicken.

COOL Mädchen: Viele denken: „Ich schicke das nur an eine Person – das wird schon sicher sein.“ Warum stimmt das oft leider nicht?

Sandra Hermann: Sobald das Bild verschickt wurde, entscheidest nicht mehr du, was damit passiert. Die andere Person könnte es weiterleiten, speichern, oder unabsichtlich auf anderen Geräten hochladen. Handys können gehackt oder verloren gehen und Beziehungen können sich ändern. Manchmal wird ein Bild dann aus Rache geteilt.

COOL Mädchen: Also ist große Vorsicht geboten, wenn man intime Bilder verschickt – selbst an Menschen, denen man vertraut?

Sandra Hermann: Unbedingt! Auch wenn man einer Person vertraut, kann das Verschicken von intimen Bildern Risiken haben, die man vorher bedenken sollte: Sobald ein Bild verschickt ist, gehört es dir nicht mehr ganz. Einmal im Internet ist es auch kaum löschbar, sie können sich rasch verbreiten und jeder kann es sehen. Viele Personen, denen das passiert, schämen sich, haben Angst oder sind Opfer von Mobbing. Durch Clouds, Chats und Social Media können alle Bilder ungewollt gespeichert werden und dann auf dubiosen Websites ebenso wieder auftauchen.

Wichtig!

Auch für Jugendliche gilt: Das Weiterleiten oder Veröffentlichen intimer Bilder ohne Zustimmung ist strafbar – auch bei Minderjährigen.
Schon das Besitzen oder Versenden von Nacktbildern unter 18-Jähriger kann rechtliche Konsequenzen haben, selbst wenn es freiwillig war. (Stichwort: Kinderpornographie!)

COOL Mädchen: Was ist aber, wenn mich jemand unter Druck setzt, ein Nacktbild zu schicken?

Sandra Hermann: Das ist emotionale Erpressung und niemals in Ordnung! Niemand sollte zu etwas Intimem gezwungen werden. Auch wenn du die Person magst. Du kannst bestimmt und klar sagen „Ich mache das nicht, egal was du sagst.“ Du kannst dich auch an eine Frauen- und Mädchenberatungsstelle wie z.B. innova oder an Hotlines für Jugendliche wenden oder andere Vertrauenspersonen einweihen.

COOL Mädchen: Ich habe jemandem ein intimes Bild von mir geschickt, der es jetzt weitergeleitet hat. Was kann ich jetzt tun?

Sandra Hermann: Wenn jemand ein intimes Bild von dir weitergeleitet hat, ist das ernst – du bist nicht schuld, und es gibt Schritte, die du unternehmen kannst. Wichtig ist, Beweise zu sichern, indem du Screenshots von Nachrichten, Chats oder Social-Media-Beiträgen machst. Nichts löschen, bevor du Unterstützung hast! Du kannst die Person direkt ansprechen und bitten, das Bild zu löschen, beziehe eine Vertrauensperson mit ein oder melde es der Polizei.

COOL Mädchen: Was, wenn sich mein Bild online aber schon verbreitet hat?

Sandra Hermann: Wende dich an die Internet Ombudsstelle: Sie kann dich beim Entfernen der Bilder unterstützen und dich bei rechtlichen Fragen beraten: www.ombudsstelle.at. Du kannst dich auch an „Take It Down“ wenden: Sie können dir helfen, dass deine Bilder gelöscht werden und dadurch nicht weiterverbreitet werden: takeitdown.ncmec.org.

COOL Mädchen: Ich habe schon mal ein Dick Pic bekommen, ohne dass ich das gewollt habe. Ist das strafbar?

Sandra Hermann: Solltest du gegen deinen Willen intime Aufnahmen von Genitalien z.b. sogenannten Dick Pics erhalten, kannst du dich dagegen wehren: Denn durch die Einführung des § 218 Abs. 1b Strafgesetzbuch (StGB) steht in Österreich nun auch das absichtliche, unaufgeforderte Versenden von Bildaufnahmen der Genitalien – einschließlich künstlich erzeugter Darstellungen – unter Strafe. Diese Handlung kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten geahndet werden!

COOL Mädchen: Was möchtest du Mädchen sagen, die glauben, dass sie nur durch solche sexy Bilder „dazugehören“ oder beliebt sind?

Sandra Hermann: Dein Wert hängt nicht davon ab, wie sexy andere dich finden. Menschen, die dich wirklich respektieren, wollen dich so wie du bist, nicht nur deine Nacktbilder. Freundschaften und Beziehungen basieren auf Vertrauen, Spaß, gemeinsamen Interessen – nicht auf Nacktbildern. Nein sagen zu können, zeigt Mut und Selbstbewusstsein. Wer deine Grenzen respektiert, verdient dein Vertrauen. Wer Druck macht, nicht.

COOL Mädchen: Was ist noch wichtig, zu wissen?

Sandra Hermann: Wenn du dennoch intimes Material von dir anfertigst und verschickst, ist es wichtig folgendes zu berücksichtigen: Achte dabei unbedingt darauf, dass du auf den Bildern nicht leicht zu erkennen bist. Das bedeutet: Zeige dein Gesicht nicht und vermeide auffällige Merkmale wie Tattoos, Narben oder Leberflecke. Auch der Hintergrund ist wichtig – man sollte nicht sofort erkennen, dass das dein Zimmer oder dein Badezimmer ist. Wenn du diese Punkte beachtest, kannst du bewusster und sicherer mit dem Thema Nudes umgehen.

© innova

Unsere Expertin
Sandra Hermann arbeitet als Beraterin bei der Frauen*- und Mädchen*beratungsstelle innova. Sie begleitet Mädchen und junge Frauen in herausfordernden Lebensphasen und bietet einen sicheren Raum zum Reden. Viele kommen mit Themen wie Mobbing in der Schule, Konflikten mit Freundinnen oder Problemen in der Familie. Auch psychische Belastungen wie Panikattacken, Depressionen oder Essstörungen wie Magersucht und Bulimie werden offen angesprochen. Sandra unterstützt Mädchen* außerdem, wenn sie sich sexuell belästigt fühlen – online wie offline. Termine vergibt sie und das Team von innova in Feldbach, Mureck, Weiz und Gleisdorf. Ihr Ziel ist es, Mädchen zu stärken und zu mehr Selbstvertrauen zu begleiten.

Einige wichtige Beratungs- und Anlaufstellen:

Frauen*- und Mädchen*beratungsstelle innova
Telefonisch unter 0315/2395540 oder per E-Mail: office@innova.or.at

Saferinternet.at – Beratung zu Sexting, Cybermobbing, und rechtlichen Fragen.

Steirische Hilfetelefon unter 0800/204422 oder online www.frauenberatung-steiermark.at.

www.ombudsstelle.at oder takeitdown.ncmec.org
Unterstützung beim Löschen von intimen Bildern im Internet.

Frauen-Helpline: 0800/255255
Rat auf Draht: 147
Telefonseelsorge: 142
PsyNot Krisentelefon: 0800/449933

Eine Interviewreihe in Kooperation mit dem Dachverband der steirischen Frauen*- und Mädchen*beratungsstellen.