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Girls support Girls

Warum es so cool ist, sich selbst und andere zu stärken anstatt runterzumachen und wie Mädchen-Allianzen gegen Mobbing helfen können. Wir haben im großen Interview für dich bei Natascha und Magdalena Bergler vom Verein Freiraum nachgefragt.

Warum es so cool ist, sich selbst und andere zu stärken anstatt runterzumachen und wie Mädchen-Allianzen gegen Mobbing helfen können. Wir haben im großen Interview für dich bei Natascha und Magdalena Bergler vom Verein Freiraum nachgefragt.

 

COOL Mädchen: Warum ist es gerade für Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren so wichtig, dass sie mit anderen Girls zusammenhalten?

In diesem Alter beginnt eine intensive Phase der Selbstfindung: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Zusammenhalt gibt Sicherheit und das Gefühl: „Ich bin nicht allein.“ Mädchen können sich austauschen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen. Das stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch den eigenen Selbstwert.

COOL Mädchen: Viele Mädchen vergleichen sich aber ständig miteinander – zum Beispiel beim Aussehen oder in der Schule. Woher kommt das?

Vergleiche gehören zur Entwicklung dazu, diese helfen, sich selbst einzuordnen. Problematisch wird es, wenn der eigene Wert davon abhängig gemacht wird. Hier spielen auch gesellschaftliche Einflüsse und Erziehung eine Rolle: Wer ständig verglichen wird, lernt oft, sich selbst nicht als „genug“ zu empfinden.

COOL Mädchen: Wie können Mädchen lernen, sich weniger miteinander zu messen und sich stattdessen gegenseitig zu stärken?

Ein gewisses Maß von Vergleich ist nicht unbedingt etwas Negatives. Es kann aber zu etwas Schlechtem werden, wenn sich Mädchen dadurch minderwertiger oder nie genug fühlen und man sich nur mit Menschen vergleicht, die keine Schwäche zeigen. Es braucht immer eine gute Mitte von Inspiration und eigener Abwertung. Mädchen können sich bewusst machen: Jede ist einzigartig und Inspiration ist okay, Abwertung nicht. Dein Wert hängt nicht davon ab, besser zu sein als andere.

COOL Mädchen: Ist das dann schon „Female Empowerment“ und was heißt das überhaupt?

Konkret bedeutet es, an sich selbst zu glauben, die eigene Meinung aussprechen und sich für sich selbst stark zu machen. In Schulen heißt das, aktiv überall mitzumachen und sich auch in „typischen Jungsfächern“ etwas zu trauen. An sich selbst zu glauben und auch andere Mädchen in ihrem Glauben zu stärken und sich gegenseitig zu unterstützen, ist ebenfalls sehr wichtig im Schulalltag, statt sie klein zu machen.

COOL Mädchen: Gibt es Tipps, wie Mädchen Female Empowerment im Alltag ausprobieren können?

Schreibe jeden Abend vor dem Schlafen gehen drei Sachen auf, auf die du stolz bist. Ganz egal, ob es ein weiteres gelesenen Kapitel in einem Buch ist oder ein schönes Outfit das du heute anhattest. Es kann ein Gefühl sein, das Einstehen für sich selbst uvm. Mit dieser Technik kannst du den Tag mit einem guten Gefühl abschließen und dir erlauben, einfach mal stolz auf dich zu sein. Das stärkt den Blick auf das Positive und deinen Selbstwert.

COOL Mädchen: Welche kleinen Gesten oder Verhaltensweisen machen im Alltag von anderen schon einen großen Unterschied?

Ein ehrliches Kompliment, jemanden miteinbeziehen oder den Mund aufmachen, wenn etwas unfair ist. Kleine Gesten können Großes bewirken!

COOL Mädchen: Es kommt aber trotzdem so oft zu Mobbing. Welche Rolle spielen Gruppenbildungen da?

Gruppendynamiken spielen eine große Rolle, wenn es zu Mobbing kommt. Je mehr Unterstützung jemand bekommt, der mobbt, desto stärker fühlt er sich. Lachen alle mit, wird er es immer wieder machen. Wird in dem Szenario das Opfer von mehreren Personen verteidigt und der Mobber steht allein da, wird so etwas vermutlich nicht mehr passieren.

COOL Mädchen: Was können Mädchen konkret tun, wenn sie beobachten, dass jemand ausgeschlossen wird?

Nicht wegschauen, sondern aktiv etwas daran ändern. Die Person ansprechen, die gemobbt wird, sie aktiv einbeziehen und Haltung zeigen. Oder auch zu Lehrpersonal oder dem Schulpsychologen gehen und es mitteilen.

COOL Mädchen: Warum ist Wegschauen oft so problematisch?

Es gibt den Tätern oft ein Gefühl von Bestärkung und Unterstützung. Man schützt sich selber zwar vor Unannehmlichkeiten, doch kann das eine Situation oft nur verschlimmern. Wenn wir laut werden und uns für jemanden einsetzen, kann das viel verhindern. Stillschweigen ist wie ein „okay“.

COOL Mädchen: Dann sind Mädchen-Allianzen also besonders stark und machtvoll?

Ja, denn das sind Freundschaften, in denen Mädchen sich unterstützen, füreinander einstehen und Erfolge gemeinsam feiern. Ohne Konkurrenz, dafür mit echtem Zusammenhalt.

COOL Mädchen: Warum ist es so wirkungsvoll, wenn Mädchen bewusst zusammenhalten?

Weil man als Gruppe immer stärker ist und niemand sollte sein Leben lang allein Probleme lösen. Zusammen sind wir immer stärker.

COOL Mädchen: Wie könnte eine Schule aussehen, in der sich alle Mädchen gegenseitig unterstützen?

So eine Schule würde sich vor allem durch Respekt, Zusammenhalt und einem aufrichtigen Miteinander auszeichnen. Statt Leistungsdruck wäre individuelles Wachstum viel wichtiger. Das klassische Noten-System würde es nicht mehr geben und jeder könnte in seinem eigenen Tempo lernen. Es gäbe ein „Großes-Schwestern-System“, indem ältere Schülerinnen jüngeren für Rat und Gespräche zu Seite stehen, ohne Wertung und
ohne Druck.

COOL Mädchen: Was würdet ihr einem Mädchen raten, das sich gerade allein oder ausgeschlossen fühlt?

Wenn du das Gefühl hast, ausgeschlossen oder allein zu sein, solltest du das mit einer Lehrperson oder einer Person deines Vertrauens besprechen. So könnt ihr gemeinsam einen Weg finden, der dich dabei unterstützt, Anschluss zu finden. Versuche aktiv auf andere zuzugehen. Manchmal machen das Mitschüler auch gar nicht mit bösen Absichten. Oder auch in Gruppen das Problem einfach mal ansprechen. Du musst da nicht alleine durch. Sehr willkommen bist du auch in den Mädchen- und Frauenberatungsstellen, die es in ganz Österreich gibt, wo du kostenfrei und auf Wunsch auch anonym beraten wirst.

COOL Mädchen: Was ist die wichtigste Botschaft, die ihr jungen Mädchen mitgeben möchtet?

Vertraue dir selbst, du bist am richtigen Platz und genug. Es wird sich die nächsten Jahre so viel für dich verändern. Gehe mit dem Flow und lass dich nicht von Außen verunsichern, sei stark und glaub an dich. Du darfst deinen eigenen Weg gehen!

Unsere Expertinnen
Natascha Bergler ist Mutter von drei Töchtern und die Geschäftsführerin in der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Freiraum Leibnitz und Arnfels. Sie macht psychosoziale Beratungen, Fördermanagement, Öffentlichkeitsarbeit und PR, Personalmanagement, Projektleitung bei diversen Projekten der Frauen- und Mädchenberatungsstelle und steht Mädchen- und Frauengruppen zu vielen Themen wie Gesundheit, Selfempowerment, Frau sein im Wandel uvm. zur Seite. Magdalena Bergler studiert derzeit Gesundheits- und Tourismusmanagement. Nebenbei unterstützt sie als Projektmitarbeiterin mit ganz viel Leidenschaft die Frauenberatungsstelle Leibnitz und hilft bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Einige wichtige Beratungs- und Anlaufstellen:

Frauen- und Mädchenberatungsstellen Freiraum Leibnitz und Arnfels
www.freiraum-leibnitz.at, Mail: bergler@verein-freiraum.at oder telefonisch 0664/3941065

Steirische Hilfetelefon unter 0800/204422 oder online www.frauenberatung-steiermark.at.

Dachverband Frauen- und Mädchenberatung www.dfmb.at

Projekt Luisa ist hier!
www.luisa-ist-hier.at