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Jonas Wuttke: „OnlyFans ist im Alltag angekommen“

Die meisten von euch kennen Jonas von “Krass Klassenfahrt“, doch nun hat der YouTuber auch noch seinen ersten Roman veröffentlicht. Wir haben den 24-Jährigen deshalb zum großen Interview gebeten.

Die meisten von euch kennen Jonas von “Krass Klassenfahrt“, doch nun hat der YouTuber auch noch seinen ersten Roman veröffentlicht. Wir haben den 24-Jährigen deshalb zum großen Interview gebeten.

Cool: „Krass Klassenfahrt“ läuft super – sogar ein Kinofilm ist in der Mache – wie bist du da zwischendurch noch auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Jonas Wuttke: Hier hatte die runtergefahrene Corona-Situation Anfang 2020 tatsächlich mal etwas Positives, denn ich konnte den ersten Lockdown sehr gut nutzen, um super konzentriert an meinem Buch zu schreiben. Ich habe davor schon länger daran gearbeitet, aber es war schwer, den Fokus nur auf diesem Projekt zu haben. Und die Entwicklung des Kinofilms zog sich über viele Monate, sodass ich hier nicht immer voll ausgelastet war. Generell sieht mein Leben eh komplett so aus, dass ich immer an tausenden Projekten gleichzeitig arbeite, noch geht es mir aber sehr gut damit und ich brenne nicht aus (lacht).

Cool: „Im Bett mit der Welt“ ist ein Jugenderotikroman. Wie viele deiner Fans werden überrascht von dem Buch sein?

Jonas: Ich weiß nicht, ob die Überraschung in der Zielgruppe so groß sein wird. Klar, das Buch wird auch polarisieren, aber vor allem ist es einfach ehrlich, zeitgemäß und reflektierend. Jeder schaut Pornos! OnlyFans ist im Alltag angekommen. Diesen Entwicklungen müssen wir ins Auge schauen und ich glaube, meine Community fühlt sich da eher ernst genommen, als wenn Jugendgeschichten immer genau die Teile auslassen, die Teenager eigentlich bewegen.

Cool: Auf der Rückseite des Buches steht: Sex. Sex. Liebe. Steht Liebe echt nur noch an der dritten Stelle?

Jonas: Das ist ein super spannender Punkt: Eine zentrale Frage der Geschichte ist nämlich, inwiefern Sex und Liebe zwangsläufig miteinander verbunden sind – oder eben nicht. Ich glaube, dass meine Generation sich im Kern weniger bindet, sehr viele Konstrukte wie Freundschaft Plus o. ä. unseren Alltag prägen und da wollte ich mich genauer mit dem Thema beschäftigen: Wann wird aus Sex Liebe? Ich denke auf jeden Fall, dass emotionsgetriebener Sex der schönste ist, also sollte es eigentlich umgekehrt sein, also dass aus Liebe Sex wächst. Dafür ist eine Dating-App wie Tinder aber falsch aufgebaut (lacht).

Cool: Kurz zusammengefasst: In deinem Buch geht es um ein Influencer-Pärchen, bei dem alles super läuft bis Vincent versucht, seine Freundin Jessica zur Pornografie zu überreden, um noch mehr Klicks und Attention zu bekommen. Wie kommt man auf so eine Story?

Jonas: Ich habe Medienproduktion studiert und in unserem Fach Medienethik sagte der Dozent: „Es gibt noch kaumwissenschaftliche Arbeiten über die Wirkung von Pornos.“ Ich hatte keine Lust, mich dem Thema auf diese theoretische Weise anzunähern, weil ich ein durch und durch kreativ getriebener Mensch bin, aber darüber eine Geschichte zu erzählen, das kam mir dann sehr schnell.

Cool: Würdest du mit deiner Freundin Sex-Streams machen?

Jonas: Immer montags, mittwochs und freitags auf OnlyFans, aber nur wenn sich das Buch nicht verkauft (lacht).

Cool: Du bist selbst Influencer, zeigst mit deinem Buch aber auch auf, dass in der mittlerweile sehr like-geilen Gesellschaft vieles verkehrt läuft. Wie gehst du damit um und was stört dich persönlich heutzutage an Social Media?

Jonas: Mich stört, dass viele Influencer ihre Social-Media-Persönlichkeit als die einzige Seite ihrer Person verkaufen. Ich will gar nicht, dass Leute verändern, wie sie sich auf Social Media geben, ich wünschte mir nur, dass ehrlicher kommuniziert wird, dass jeder nur einen Ausschnitt zeigt, der gar nicht zwangsläufig der authentischste ist. Jeder Content ist irgendwie gestaged, gefärbt und jeder präsentiert sich so, wie er wahrgenommen werden will. Das mehr zu kommunizieren, würde vielen helfen, Selbstzweifel zu reduzieren. Was mich außerdem stört, ist der Raum, den Social Media mittlerweile einnimmt – ein bisschen Unterhaltung zu konsumieren macht Spaß, aber viele lassen sich zu sehr von den Social-Media-Plattformen bestimmen.

Cool: Du prangerst in deinem Buch auch den heutigen Porno-Konsum an: Kannst du dich noch an den ersten Porno erinnern, den du gesehen hast?

Jonas: Der erste Porno wurde mir auf dem Schulhof von Freunden gezeigt und es war auch gleich ein extrem harter Porno. Ich war vielleicht 12 oder 13. Das ist schon verrückt, wenn man überlegt, dass man durch den digitalen Raum an so etwas Schönes wie Liebe und Sex so herangeführt wird. Deswegen müssen wir darüber sprechen. Seit einem halben Jahr konsumiere ich überhaupt keine Pornos mehr und ich weiß, dass mir das gut tut. Der Fokus auf dem rein Visuellen ist meiner Meinung nach Quatsch und ich glaube auch, dass viele DarstellerInnen in der Branche sehr leiden.

Cool: Das klang jetzt alles sehr kritisch, aber dein Buch hat auch eine schöne Seite. Warum sollte man „Im Bett mit der Welt“ unbedingt lesen?

Jonas: Im Kern ist „Im Bett mit der Welt“ eine zeitgemäße Love Story zwischen zwei jungen Menschen, die hoffentlich bewegt und Spaß macht.